Die höhere Form der Einleitung ist nun ihre durch Tempo,bisweilen auch durch Tongeschlecht und Taktart vom Hauptsatzelosgelöste Aufstellung.
In solcher abgesonderten Einleitung besinnt und sam-melt sich der Komponist fiir den Hauptsatz; in der Regel hat alsodie Einleitung langsamere Bewegung.
Der Eintritt der Einleitung ist in modulatorischer Hinsicht frei;er kanii mit jedem beliebigen Akkorde, kann in fremder Tonartanheben. Aber der Schluss der Einleitung fällt in der Regelauf die Dominante des Haupttons, weil von ihr aus derHauptsatz im Haupllon am geläufigsten und zum Besten vorbereiteteintritt. So hebt z. B. Beethoven die Einleitung seiner grossenCmoll-Sonate (Op. 111) in einem Maestoso (der Hauptsatz ist einAllegro con brio ed appassionato ) in G raoll —
cresc.
'C w —0-0 w-
M *r—. .rfl
,-r I
mit dem verminderten Septimenakkord, zuletzt mit einer Andeutungvon — Gdur oder Cmoll? — an.
Was nun näher den Inhalt der Einleitung und dessen Aus-gestaltung, die Form, betrifft: so spricht sich in ihm die eigentlicheBedeutung der Einleitung deutlich aus.
Der Komponist setzt sich in ihr gleichsam in die Verfassungzu seinem beginnenden Werke; er setzt fest, dass nun dasselbebeginnen solle, hat also entweder sich in. dem Tonreich über-haupt erst eine Stätte gleichsam zu suchen, — dann gestaltet sich,mehr oder weniger umschweifend, die Einleitung präludienhaft auseiner Reihe von einfachen oder figurirten Harmonien, aus einemein- oder mehrstimmigen Gange. Oder es ist schon ein be-stimmter Gedanke, den er erfasst, der also die Form eines solchen,also mindestens Satz form haben muss; dann erst bildet sich einewirkliche, festen, positiven Inhalt habende Einleitung.
Dieser Gedanke der Einleitung ist aber nicht der hauptsäch-liche, welcher letztere vielmehr erst im Hauptsatze gegeben unddurchgeführt werden soll; er ist im Verhältniss zur Hauptsache nurNebengedanke, als einführender ungefähr in ähnlichem Ver-hältnisse, wie der Schlusssatz, der in den höhern Rondo- und So-