Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
282
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art (beides nicht ohne Ausnahmen) ein Ganzes zu bilden, folglicheine gewisse Einheit und Einigkeit zu bewahren, dabei aber

Zweitens sich von ihm entschieden als ein Anderes, als einGegensatz loszulösen durch den Inhalt, namentlich durch die Modu-lation, gern auch durch die Form; Haupt- und Seitensatz stehn alsGegensätze einander gegenüber, die in einem umfassenden Ganzenzu höherer Einheit sich innig vereinen.

In diesem Paar von Sätzen ist Drittens der Hauptsatz das zu-erst, also in erster Frische und Energie Bestimmte, mithin das ener-gischer, markiger, absoluter Gebildete (S. 129), das Herrschende undBestimmende. Der Seitensatz dagegen ist das nach der ersten ener-gischen Feststellung Nach geschaffne, zum Gegensatz Dienende, vonjenem Vorangehenden Bedingte und Bestimmte, mithin seinem We-sen nach notiiwendig das Mildere, mehr schmiegsam als markig Ge-bildete, das Weibliche gleichsam zu jenem vorangehenden Männli-chen. Eben in solchem Sinn ist jeder der beiden Sätze ein Andresund erst beide mit einander ein Höheres, Vollkommneres.

Aber in diesem Sinn und der Tendenz der Sonatenform istauch Viertens begründet, dass beide gleiche Berechtigung haben,der Seitensatz nicht bloss Nebenwerk, Nebensatz zum Hauptsatzist, mithin, im Allgemeinen auch gleiche Ausbildung und gleichenRaum wie der Hauptsatz fodert; wobei natürlich von kleinlichemTaktabzählen nicht die Rede sein darf.

Was nun weiter auf den Seitensatz folgt, Gang und Schluss-satz, ist, wie wir wissen, nur sein oder auch des HauptsatzesErgebniss.

Auf diese schon bekannten Grundsätze gestützt, gehn wir ohneWeiteres an die Beleuchtung einzelner Fälle, die wir nach den For-men des Seitensatzes ordnen.

A. Satzform.

In Beethovens Esdur-Sonate (No.292) haben wir die Haupt-partie bei aller Stetigkeit des Hauptmotivs mannigfaltig genug aus-gebildeL befunden. Nach einem ersten Satz bildet sich ein zweiter(No. 294), beide in ihren Wiederholungen veränderlich ; nach einemneuen satzartigen Gang (No. 320) kehrt der erste Gedanke (No. 321)ganz umgestaltet zurück; alle diese Sätze, besonders der Hauptge-danke, bewegen sich in kurz abbrechenden Abschnitten und Glie-dern. Wie ist nun die Seilenparlie gestaltet?

VVie sie musste, um die Hauptpartie fortzusetzen und zu er-gänzen.

Vor allem tritt der Seitensatz (schon mit Hülfe der Begleitungs-form , aber auch durch seinen wesentlichen Inhalt) inniger zusam-menhängend und messender auf.