Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
104
Einzelbild herunterladen
 

104

Künstler rechten, der sich in einer ächten Klavierkomposilion irgendeiner den obigen ähnlichen Wendungen bediente? Gleichwohl fühltman schon dem Hauptsatz an, dass er Vollklang, breite, stille undwohlgebundne, bedeutsame Führung der Stimmen fodert, mehr zuorchestraler als klaviermässiger Darstellung hinneigt. In der Thatist jener alte Liedsatz No. 483 des zweiten Theils keineswegs fürKlavier, sondern mit der Vorstellung still und breit geführter Streich-instrumente und füllender Bläser erfunden worden. Da nun hiermitder Karakter des Ganzen feststand, so musste auch in allem neuHinzugekommenen, z. B. in No. 91, jene Richtung nach dem Or-ehestermässigen fortwirken.

So wird uns hier eine thatsächliche, obwohl nur äusserlich(S. 96) veranlasste Mahnung, bei der Erfindung gleich von Hausaus uns bestimmte Organe vorzustellen. Wo dies versäumt ist,kann stets nur halbe Wahrheit gegeben werden, wird selbst ein imUebrigen glücklich Empfundnes oder Ersonnenes unzulänglich her-vortreten; wie denn die obige Komposition eher für einen Kla-vierauszug gelten könnte, als für ein Klavierwerk*).

Zweiter Abschnitt.

Die zweite Rondoform.

In der ersten Rondoform hatten wir uns zwar vom ursprüng-lichen Satz entfernt; wir waren von ihm weggegangen. Aberwir waren auf keinen neuen feststehenden Satz gekommen, sondernwendeten uns zum ersten Satze zurück.

War dies eine Schwäche, ein Mangel?

Keineswegs. Mag man es nun dem hier gewählten Hauptsatzezugestehn oder nicht, so ist doch denkbar, dass ein solcher unstief erfülle, in sich stark und ausgeführt genug sei, um keinen neuenGedanken neben sich feste Stellung nehmen zu lassen. Sind wirvon dem Ernst, der Feierlichkeit, oder was nun der gewichtigeInhalt unsers Hauptsatzes war, ergriffen: so kann» das beweg-liche Gemüth davon weg, darüber hinaus verlangen, um sich gegenjene Einwirkung wieder festzustellen oder sie austönen zu lassen;aber es kann nicht umhin, darauf zurückzukommen und darin Ruheund Abschluss zu finden.

Hierin erscheint unsre erste Form erklärt und gerechtfertigt.Zugleich begreift man hieraus, dass der Hauptsatz in derselben in

*) Hierzu der Anhang D.