Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
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der Regel ein zwei- oder dreitheiliger Liedsatz sein wird. Dennso wenig man die Kraft eines Satzes nach seiner Länge messenwird, so gewiss strebt doch ein wichtigerer oder anlheilvoller ge-fasster Inhalt nach einer gewissen Vollständigkeit der Darstellung.

Allein auch ein Andres ist möglich. Unser Hauptsatz fesseltuns nicht an sich; wir verlassen ihn, um auf einen neuen Satzüberzugehn. Gäben wir nun hiermit den erstem ganz auf, sowürde ein Gedanke den andern verdrängt haben; es würde eineReihe an einander gehängter, aber nicht organisch mit einander ver-bundner Sätze vorüberziehn. Auch diese Gestaltung ist möglich,und wir werden sie da, wo sie recht ist, kennen lernen. Hier aber,wo wir uns von einem Hauptsatz angezogen und erfüllt finden,würde sie zerstreuend, also im Widerspruch mit unsrer Voraus-setzung auftreten.

Wir kehren also auf den Hauptsatz zurück. Nun steht derneue Satz eben so zwischen dem Hauptsatz und dessen Wieder-holung, wie in der ersten Form die gangarlige Masse. Auch ister ebensowohl, wie diese, Nebensache im Verhältniss zumHauptsatze, von dem wir ausgegangen, und auf den wir zumSchlüsse zurückkommen, dessen Name (Hauptsatz) auch nunerst vollkommen gerechtfertigt ist. Im Gegensätze zu ihm wollenwir den neuen Satz Nebensatz, oder, da sich künftig nochandre Sätze finden werden, denen dieser Name eben so wohl undbesser gebührt,

Seitensatz

nennen; er stellt sich jenem als zweiter, wenn auch untergeordne-ter Salz zur Seite.

Hiermit ist die zweite Rondoform der Hauptsache nach karak-terisirt. Sie enthält

Hauptsatz Seitensatz Hauptsatz,so wie die erste Rondoform Satz, Gang und Satz enthielt.

Wie wollen wir diese drei (oder eigentlich zwei) Sätze stellen?

Unstreitig ist es ein bedeutender Schritt, wenn wir in einerKomposition von einem Satze zu einem andern forlgehn. DiesemFortschritt im Inhalt entspricht auch die Modulation. Sie betrittmit dem neuen Satz auch eine neue Tonart.

Dem Hauptsatze zu Anfang und Ende gebührt, wie sichvon selber versteht, der Hauptton. Der Seitensatz stellt sichin eine verwandte Tonart, entweder in die der Ober- oderUnlerdominante, oder in die Parallele, oder in sonst eine mit demHauptton in Beziehung stehende. Angenommen also, Cdur wäreder Hauplton, so würden sich zunächst folgende Modulations-punkte