Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
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Dies kann naturgemäss nur der Fall sein, wenn der Satz selberin sich oder im Gemüthe, nach der Stimmung oder Erregung desKomponisten nicht vollkommen befriedigend ist. Denn wäre er anund für sich genugthuend, so bedürfte es ja keines Weilergehns;vielmehr war 1 alles Fernere überflüssig, folglich belästigend undstörend.

Woran erkennen wir nun, dass ein formell vollkommen abge-

schlossner Satz _ denn das ist schon dem Kunstnamen nach und

ausdrücklich (S. 94) Voraussetzung doch für sich noch nicht be-friedige und weitere Entwickelung ausserhalb seiner verlange?

Da hier allein von innrer Befriedigung die Rede sein kann(denn die äusserliche liegt schon in der formellen Abrundungund Abschliessung), so ist freilich an äusserliche und darum absolut be-stimmte Merkmale nicht zu denken. Wir können nur aussprechen:ein Satz ist in sich nicht befriedigend, wenn er eine geistigeBewegung hervorruft, der er selber nicht zu genügen, wenn er einen Inhalt anregt, den er innerhalb seiner nichtzu erschöpfen vermag.

Aber selbst diese Bestimmung ist nicht vollkommen ausreichend.Denn da jeder geistige Inhalt einer unermesslichen Erweiterung nachden verschiedensten Seiten fähig ist, so hängt es grossentheils vonder Individualität und jedesmaligen Stimmung ab, wo man sich be-:gränzen und nach welcher Seite man sich ausbreiten will. DieseUnmöglichkeit absoluter Bestimmung ist aber nicht ein Schade, son-dern eine Wohlthat; denn auf ihr beruht die Freiheit der Kunst,die Möglichkeit für jeden einzelnen Künstler, sich in seiner Weisefrei und eigenthümlich zu entfalten. Auch die Lehre hat sich nichtzu beklagen. Ihre Aufgabe ist ja keine andre, als zur Freiheitzu führen, alle Wege zu ihr zu eröffnen.

Um Raum zu sparen, wählen wir einen schon Th. II, S. 328unter No. 483 gegebnen Liedsatz. Wir nehmen an, er sei klavier-mässig geschrieben (er ist allerdings mehr im Sinne des Orchestersgedacht, und wir werden die Folgen davon zu tragen haben), undlenken ihn entweder, etwa vom elften Takt an in dieser Weise

(oder in der Th. II, No. 485 angegebnen) zum Schluss im Hauptton,oder behalten ihn vollständig bei und geben ihm einen zweiten Theil.