Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
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Gang oder Satz

sein, und zwar Beides in homophoner oder polyphoner Weise.

Lassen wir einem vollkommen abgeschlossnen Liedsatz einenandern für sich bestehenden ohne innere und feste Verbindung fol-gen, so erhalten wir keine neue Form, sondern nur eine Folge ver-schiedner an einander gereihter Liedsätze, dergleichen wir schon imzweiten Theil der Lehre, S. 79, kennen gelernt. Neue Formendagegen entstehn, wenn verschiedne Sätze, oder Sätze und Gängesich zu einem nicht bloss äusserlich aneinandergestellten, sonderninnerlich zusammenhängenden, feslverbundnen Ganzen einigen.

Die Natur und Zahl der in Verein tretenden Einzelheiten unddie Weise ihrer Verwendung und Verknüpfung begründen den Un-terschied der hier entstehenden Formen.

Zunächst sind zweierlei Fälle zu unterscheiden.

Entweder bleibt jener Liedsatz, von dem wir ausgehn, allei-niger Hauptsatz, gegen den alles Weitere nur Nebensacheist, und der daher auch seine abgeschlossne Form festhält. Oder estritt neben den einen Hauptsatz noch ein zweiter oder noch meh-rere mit gleichem Anlheil und Rechte, weshalb denn auch die imandern Fall abgeschlossne Form sich löst und ändert. Die erstereReihe von Formen fassen wir unter dem Namen

Rondoform

zusammen. Einstweilen denke man dabei der alten Form desRundgesangs (Rondeau), in dem ein Einzelner, oder Einer nachdem Andern einen Vers singt, und am Schlüsse jedes Verses derChor den Refrain wiederholt, der sich mithin als Hauptsatz geltendmacht.

Das Nähere stellen wir gleich mit praktischen Versuchen vor.Für die beiden ersten Rondoformen setzen wir ohne weitere Er-klärung (sie folgt im dritten Abschnitte der nächsten Abtheilung)fest, dass sie im langsamen Zeitmaasse dargestellt werdensollen.

Erster Abschnitt.

Die erste Rondoform.

Wir gehn von einem Liedsatz aus, der nunH auptsatz

werden, mithin wie schon der Name andeutet noch eine wei-tere musikalische Ergiessung, noch einen tnhalt ausser ihm selbernach sich ziehn soll.