89
von den vier Instrumenten*) sanft und erhebend vorgetragen. Dannübernimmt die zweite Violine die Melodie, und die erste umgiebtsie schmückend mit einer anmuthigen Begleitung; dies ist die ersteVariation. In den beiden folgenden Variationen haben erst dasVioloncell, dann die Bratsche die Melodie und die andern Instru-mente figuriren dagegen. In der vierten und letzten Variation istdie Melodie wieder in die erste Violine zurückgekehrt und wirddurch bedeutendere Harmonie und einfache, aber gefühlte Wendun-gen zu höherer Weihe entzündet. — In ähnlicher Weise, aberdurchaus heiterm Sinn hat dieser freudigste und heiterste aller Ton-dichter in der Gdur-Symphonie**) ein Thema seiner Arie aus denJahreszeiten, „Schon schreitet froh der Aekersmann“, durchgeführt.
Wenden wir uns zu den Werken für unser Instrument zu-rück, so ist es Beethoven, der Vollender der Klaviermusik, dersich mit innigster Hingebung und folglich auch im höchsten Sinnund Gelingen der Variation gewidmet hat. Es sei hier nicht mehrvon seinen frühem Arbeiten, eben so wenig von der Verwendungunsrer Form in der siebenten und neunten Symphonie, in derEroica, in dem grossen jBdur-Trio (Op. 97), im Septuor und Andermdie Rede, sondern nur von drei besondern Werken.
Das erste ist die ^sdur-Sonate Op. 26, deren erster Satz einThema mit Variationen bildet. Beiläufig kann die ganze Sonate,wie fast alle Beethoven’schen, als Muster sinnvoller, vielseiti-ger, wahrhaft dichterischer Behandlung des Instruments gelten. —Das Variationenlhema ist ein nicht entlehntes, sondern aus tiefer,sehnsuchtvoll sich steigernder Empfindung hervorgetreten. Dieserinnere Sinn belhätigt sich in jeder der Variationen, oder vielmehr,er schafft sie. Der erste Aufschritt des Thema’s, es-as, —
Andante.
83
föEEf-i
=1—J
wird, in solchem Sinn höher beseelt, gleich zum Motiv der erstenVariation; —
- p --,V=v
*) In dem Cdur-Quartett, No. 1 der T r au t w e i n’schen Ausgabe.
**) No. 6 der Brei tk opf-H är tel’scben, No. 3 der Bock’schen Partitur-ausgabe.