sten und unter einander, das Thema in mannigfachen Beziehungenzu zeigen und damit ein Kunstwerk erst zu schaffen.
Das Thema zu Variationen ist ein Lied, also ein in sich ab-geschlossnes und an sich ohne Weiteres befriedigendes Kunstwerk.Wiefern ein solcher schon in sich vollkommner Satz sich mit an-dern Sätzen und Gängen zu einem grossem Ganzen verbindenkönne, ist theils in der Lehre von der Liedform (Th. II, S. 27)gewiesen worden, und wird in den nächsten Abtheilungen nochweiter zur Sprache kommen. Hier aber, in der Variationenlorm,ist es das Lied an sich allein, das unsern Antheil festhält.
Der nächste Ausdruck dieser Theilnahme ist, dass wir bei ihmweilen, dass wir das liebgewonnene Lied wiederholen.
Nun aber ist es psychologisch unmöglich, lange bei der blossenWiederholung zu verweilen. Unser Antheil mag sich steigern odernachlassen, so kommen wir zu der beabsichtigten Wiederholung miteiner andern Stimmung heran, war’ es auch nur eine gleichartige,aber erregtere oder gemilderte. Dann aber ist bei der Regsamkeitunsers geistigen Lebens inneres Forlschreiten , selbst bei äussermVerweilen, nolhwendig, ja unvermeidlich; wir werden bei demsel-ben Gegenstand erst allgemeiner, dann mehr im Einzelnen, erst andieser Seite und diesen' Momenten, dann an andern theilnehmen ;sogar Fremdes kann seinen Einfluss äussern. Und wenn wir die-sem Wandel unsers innern Lebens, während es auf denselben Ge-genstand gerichtet bleibt, Raum geben, wie Wahrheit und Naturverlangen, so werden eben aus den Wiederholungen, die unsre Nei-gung uns abverlangte, Veränderungen.
Es versteht sich, dass Neigung und fortschreitende Stimmungmit ihren Aeusserungen nicht Gegenstand [der Lehre und Uebungsein können. Eben so deutlich erkennt man aber in diesen See-lenzuständen den Urgrund der Kunst form und aller ihrerRegeln und Hervorbringungen, die wir bisher mehr von aussenher, zum Zweck der Vorübung und äusserlicher Orientirung zu unsherangezogen haben; und nicht weniger haben alle Abweichungenvom Rechten keinen andern Grund, als dass wir etwas Andres ge-than, als Neigung und fortschreitende Stimmung verlangten, —oder dass wir unsre Empfindung nicht so weit geläutert und erho-ben, unsre Bildung nicht genugsam gesteigert haben, um damit demStandpunkt unsrer Zeit zu entsprechen.
Kaum möchte sich irgendwo ein edler Bild finden, wie Nei-gung und Stimmung sich auf das Reinste und Bescheidenste künst-lerisch ausgeprägt haben, als in den Variationen, die Haydn zudem von ihm gesungnen Volksliede Oesterreichs geschrieben. Dassanfte Lied, das so schön die Gemüthstille eines glücklichen, derväterlichen Herrschaft kindlich geweihten Volks ausspricht, wird