Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
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Hier würde Umkehrung der Figuren wenig Erfolg gehabthaben; Mozart unterscheidet daher die Partien, genau wie in denvorigen Variationen, wenigstens durch Oktavverdoppelung der Ober-stimme im Nachsatze des ersten und am Schlüsse des zweiten Theils.In der nächsten Variation war der gewohnte Wechsel gar nichtrathsam, und der erste Theil wurde einheitvoll durchgeführt. Dochlässt es Mozart nicht dabei bewenden; er bildet den Vordersatzdes zweiten Theils ganz abweichend, ja fremd, und kehrt mitdem Nachsatz auf das ursprüngliche Motiv zurück. AehnlichesVerhalten ist auch in den letzten Variationen zu bemerken.

Solche Behandlungsweise ist nicht bloss in den Mozartschen,sondern auch in Haydnschen, in den frühem B e e t h o v enschenund unzähligen neuern Variationen bis auf diesen Tag zu beobach-ten. Sie geht so einfach aus der Natur der Sache hervor, dassauch das innerliche Gesetz unsrer Kunstform zunächst auf siehinführt, man also auch hier in der Uebereinstimmung der Meisternicht etwa ein Herkommen (Th. II, S. 7), sondern die Wirkungeines allgemeinen Veruunftgrundes erkennt. Herkommen, todte Regel,unfruchtbare Manier ist nur vorhanden, wo man nicht auf denVernunftgrund hat dringen wollen.

Der natürliche oder vielmehr kunslvernünftige Ursprung unsrerKunstform ist nämlich und hierauf leiten alle bisherigen Betrach-tungen und Uebungen hin kein andrer, als

liebevoller An theil des Komponisten an seinemThe ma,

und zwar an einem liedförmigen und in sich befriedigendabgeschlossuen. Schon einmal haben wir uns in Themate ver-tieft und sie zu höherer Geltung erhoben; das war in der Fugen-form , einigermassen auch in den Figural- und Nachahmungsformender Fall. Allein hier war das Thema keineswegs in sich befriedi-gend abgeschlossen, schon an sich ein Kunstw r erk; selbst das voll-kommenste Fugenthema konnte nicht vollkommen befriedigend, keinselbständiges Kunstwerk genannt werden, weil es der Harmonieund jeder mehrseitigen Entfaltung entbehrte. Daher eben regtenjene Themate nothwendig zu polyphoner Behandlung an; es tratendie anfangs fehlenden Stimmen herzu und wetteiferten mit der er-