Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
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Schalles, des ansprechenden, das Gefühl weckenden und befriedi-genden Klangs, der feinen und innigen Tonverbindungen u. s. w. den meisten andern Instrumenten nachsteht, dagegen an äus-serlichem Reichthum, Tonumfang, Spielgeschick, Fähig-keit für Harmonie und Polyphonie allen (nur mit Ausnahme derOrgel für gewisse Aufgaben) vorgeht. Daher und eben weilSinnlichkeit und das unmittelbar mit ihr zusammenhängende Gefühlminder gesättigt werden ist es in seinem Wirken geisti-ger, es weckt und reizt die Phantasie, unserm Empfinden zuersetzen, was das Instrument in der Wirklichkeit nicht giebt, wäh-rend diese dichterische Thätigkeit der Seele bei befriedigenden^das Gefühl sättigendem Instrumenten keinen so dringenden Anlasshat, sich zu bethätigen. Aus diesen beiden Gründen, vermögedes äusserlichen Reichthums und Geschicks und vermöge seines an-regenden Einflusses auf die Phantasie, ist das Pianoforte dasverbreitetste und geistig herrschendste Instrument geworden, an demdie Phantasie des Komponisten sich am freiesten und luftigsten er-geht und bei dem der Geist des Hörers am willigsten folgt, amleichtesten aus sich ergänzt, was das Instrument bei seiner inner-lichen Unzulänglichkeit mehr anzudeuten, als wirklich zu gebenvermag.

Wir wollen also, auf dieser Retrachtung fussend, allerdingsstreben, dem Naturell des Instrumentes gemäss zu schreiben, esauf das Günstigste zu benutzen und zu bedenken. Wenn dannaber das Vermögen desselben doch nicht ausreicht für unser ur-sprüngliches Empfinden, für den vollen Ausdruck unsers geistigenLebens: so wollen wir nicht das opfern, was unser Eignes undEigenthiimliches ist, wollen nicht das Geistige um der Fülledes Körperlichen willen aufgeben, sondern über die Gränzendes Instrumentes hinaus auf die ergänzende Phantasie und Mitlhälig-keit des Hörers rechnen. Die Kunstherrlichkeit eines Beethovenin seinen Klavierkompositionen beruht eben darauf, dass er das Instru-ment auf das Intelligenteste zu benutzen und dadurch unsern Geistdem seinigen auch dahin nachzuziehen wusste, wo das Organ für denvollen Ausdruck des Gedankens in der That nicht mehr zulangt*);

Heber gang zur Komposition.

Es kommt nun Alles darauf an, uns in die neue Richtung fürunsre Kompositionsthiitigkeit, in die Berücksichtigung und Be-nutzung des Organs, hineinzufinden. Dies ist die neue Seiteder bevorstehenden Aufgaben, während wir uns mit den andern

"*) Hierzu der Anhang A.