Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
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schon früher bekannt gemacht, namentlich eine Reihe von Kunst-formen geübt haben, aus denen die noch zu erlernenden nur Folgenoder Zusammensetzungen sind. Wir müssen, um uns in diese neueRichtung am sichersten hineinzufinden, eine Kunstform aufsuchen,die vorzugsweise die Bestimmung hat, das Organ (also hierdas Klavier) nach seiner Eigenthümlichkeit geltend zu machen,während sie an die übrigen Seilen der Kompositionsthätigkeit nurgeringere Anfoderungen stellt.

Von allen Kunstformen ist keine für unsern Zweck so geeig-net, als die Etüde. In ihr ist die Benutzung des Instruments(und die Bildung dafür) Hauptsache und der sonstige Inhalt nurMittel zu jenem Zwecke, daher auch ihre Form die leichteste undlockerste von allen. In ihr finden wir also die beste Anknüpfung,und müssen vernunflgemäss mit ihr beginnen, um später das an ihrErlernte auch bei den vielseitigem Anfoderungen der hohem Formenanzuwenden.

Zweiter Abschnitt.

Die Etüde.

Die Etüde ist ursprünglich ein Tonstück, an dem irgend einetechnische Geschicklichkeit oder Vortragsweise in ansprechenderkünstlerischer Form zur Uebung kommt. Dass der geschicktereSpieler sich bei der Abfassung solcher Etüden nicht mit den ein-fachem Uebüngsgegenständen aufhält, dass er seltnere und schwie-rigere Formen und Motive aufsuchl, und dergleichen mit V orliebe,ja bisweilen mehr aus Küns lle rlaune, als für den eigentlichenUebungszweck durchführt, auch wohl mit einem, dem Künstlergar nicht übel anstehenden Eigensinn über die Gränze der nöthi-gen Uebung hinaustreibt, dass sich hier selbst höhere künst-lerische Erregung gleichsam unvorhergesehn einfinden und demursprünglich nur untergeordneter Sphäre zugehörigen Werk höhereWeihe zuertheilen kann: das würde jeder mit der Natur des künst-lerischen Geistes Bekannte voraussehn, wäre nicht die obige Ent-wickelung schon in der Ausbildung der Etüdenförm geschichtlichgegeben. Die ältern Etüden, z. B. die meisten von Clementi undCramer (denen sich A. Schmitt und andre Lehrer mit Ver-dienst angeschlossen), gehören vorzugsweise dem Uebungszweckan, wiewohl der erstgenannte Meister (in seinem Gradus ad par-nassvm) die Gelegenheit wahrgenommen, manches Tonstück Von