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das Hauptmotiv imitatorisch und im Grunde vierstimmig durehge-führt. Aber es treten zuerst die beiden Unterstimmen allein auf,dann die beiden Oberstimmen mit einer Unterstimme, die sich we-nigstens rhythmisch je einer der Oberstimmen anschliesst; und wennendlich der Satz — er ist n eunu nd drei s si g Takte lang — vier-stimmig wird, dann dienen (mit einer flüchtigen und sehr einfachenAbweichung) zwei Stimmen nur zur Verdopplung der andern zwei,so dass der Satz im Grunde wieder zweistimmig ist. — Aus glei-chem Grund ist die Schlussfuge dieser Sonate, wie der ^4s dur-So-nate, Op. 110, nur dreistimmig ausgeführt, obgleich die letztereoffenbar vierstimmig intentionirt war; ihre erste Durchführung zeigtunverkennbar die Eintritte von Tenor, Alt, Diskant und (Takt 19)Bass, — in den nun der Tenor übergeht*). Aber selbst im drei-stimmigen Satze schliessen sich meistens zwei Stimmen begleitungs-weis’ an einander.
Fünftens endlich haben wir, was dem Schall des Instrumentsan Fülle und Kraft, und dem Klang an Intensität, an ergreifenderGewalt (im Vergleich zur Singslimme, zu Blas- und auch Streich-instrumenten) abgeht, durch Spiel-Fülle, durch Reichthum undBeweglichkeit der Tonfolgen, besonders der Figuren (Passagen), zuersetzen. Hierbei kommt der grosse Tonumfang und die Klanggleichheitdes Instruments zu statten ; kein andres bietet für sich allein und aufeinmal**) einen Spielplatz von sechs bis sieben Oktaven, und bei kei-nem ist der Klang der Höhe und Tiefe so gleichartig, — obwohl esallerdings die Aufgabe jedes Instrumentisten ist, den Klang in den ver-schiednen Regionen möglichst auszugleichen, was sinnvollen und wohl-geschulten Spielern auch in hohem Grade gelingt.
So wohlbegründet nun in diesen und andern sich in der Ausübungvon selbst ergebenden Punkten Rücksicht auf die Natur des Instru-ments ist: so haben wir doch noch Eins zu beherzigen, das überAengstlichkeit und einseitiges Haften am Aeusserlichen hinwegführtauf den rechten Standpunkt des Klavierkomponisten.
Jede tiefere Betrachtung des Instruments muss nämlich über-zeugen, dass es an Innerlichkeit, — hinsichts der Macht des
*) Man könnte aus dem Basseintritte nichts als eine übervollständige Durch-führung folgern wollen; allein zu deutlich tritt hier und anderwärts (z. B. S. 16und 18 der Schlesinger’schen Originalausgabe) der Bass in seiner Grundgewaltunterschieden vom zarten Tenor auf. Und am Ende wäre ja das ein blosserNamenstreit.
**) Die Orgel hat grossem Umfang, legt ihn aber nicht auf einmal dar.Es ist ihr nicht angemessen, ihre zweiunddreissigfüssigen und ihre zwei- undeinfiissigen Register abgesondert und gleichzeitig neben einander zu stellen; siemischt das Tiefste und Höchste mit dem Mittlern zu innerlichem Reichthum.