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Als neuer Gegenstand' unsrer Betrachtung tritt zu dem Bishe-rigen
IV. die Schallkraft, —
das Maass von Nachdruck, der Wechsel von Stärke und Schwäche( forte, piano mit allen Abstufungen, auch dem Abnehmen und An-wachsen), den wir einem Ton, oder einer Tongruppe, einemSatz in Verhältniss zum andern zuertheilen. Es genügen hierbeistatt eigentlicher Lehre (die hier überflüssig erscheint) folgende Be-merkungen.
Der Wechsel von forte und piano erscheint zunächst als blosseMannigfaltigkeit; zu solchem Zwecke wird bisweilen von Kompo-nisten*) die Wiederholung eines zuvor stark vorgetragenen Satzesim piano , oder umgekehrt eines Pianosatzes im forte bestimmt.Doch haben forte und piano ihre tiefere und eigentümliche Be-deutung.
Einen Ton oder Satz stark vortragen heisst nichts anders, alseine grössere Kraft oder Masse von Tonmaterial auf seine Hervor-bringung verwenden, damit er selber als das Kräftigere, Durchdrin-gendere, Vorherrschende erscheine und wirke. So werden in derKegel, ohne dass es einer ausdrücklichen Bestimmung bedürfte, dieHauptlheile im Takt, die Hauptmomente im Rhythmus**) durch stär-kere Angabe betont, die entscheidenden oder Krafttöne in einer Me-lodie hervorgehoben, unter mehrern karakteristisch verschiednen zueinem grossem Ganzen verbundnen Sätzen der sanftere vom kräf-tigem unterschieden, u. s. w.***)
Diesen tiefem Sinn der dynamischen Unterschiede wollen wirstets in Obacht nehmen und das Unsrige als Komponisten dafürwohlbedacht und sorgfältig thun. Im Voraus aber wollen wir unsdie Mittel für Hervorbringung des forte und piano hier vorstel-len. Sie bestehn
a) in der grossem oder mindern Kraft, die der Ausübendeverwendet,
b) in der schon an sich stärkern oder heftigem Tonlageder verschiednen Organe,
c) in der Masse der Besetzung (in Orchester und Chor),
d) in der Anzahl der an einem Salze theilnehinendenStimmen,
e) in der Weise, dieselben zu verwenden;
*) So z. ß. J. Haydn in der Menuett seiner D dur-Symphonie, Nr. 1.
**) Allgem. Musiklehre, S. 133 u. f.
***) Die eigenthiimtichen, auf tiefem psychologischen Erörterungen oder An-schauungen beruhenden Verwendungen des Piano und Forte kommen in derMusikwissenschaft zur Betrachtung, da sie nicht Gegenstand der Lehreund Uebung sein können.