Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
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Zu diesem Zwecke genügt es übrigens keineswegs, dass manbloss Musik und war es die beste höre. Denn bei der Em-pfänglichkeit für Kunst, die in jedem Jünger vorausgesetzt werdenmuss, ist, je trefflicher die Kunstdarstellung, um so mehr zu erwar-ten , dass der Hörer über der Macht des Kunstwerkes im Ganzendie Beobachtung der mitwirkenden, oft untergeordneten Tonslolleversäume. Es muss daher jede Gelegenheit wahrgenommen werden,die Instrumente einzeln und ausser jenen verführerischen Darstel-lungen zu hören. Hier, in Musikproben, bei geringen interesselo-sem Aufführungen (in denen wir uns leichter vom Ganzen ab aufdie einzelnen Stofflheile wenden) ist in der That oft tiefer zubeobachten, als in wichtigem und anziehendem Musiken.

6. Fernere Forbcdimjniujen.

In gleichem Sinne sprechen wir aus, dass es dem Jünger lor-dersam für seine Komposilionszwecke sein kann, wenn er ausserdem Klavier [noch einige Orchester-Instrumente, wo möglich einStreich- und ein Blasinstrument behandeln lernt; wir würden zu-nächst Violine oder Violoncell und Klarinette rathen. Denn aller-dings führt keine Lehre und keine Beobachtung so tief und sicherin Wesen und Technik eines Instruments ein, als eigne Handha-bung. Dagegen kann ungenügende Ausübung mehr irre leiten,als sichern, weil man in solchem Falle leicht fiir unausführbar oderungünstig hält, was nur der eignen Eilfertigkeit schwer fällt,und umgekehrt im Bewusstsein derselben Manches für grössere Ge-schicklichkeit erreichbar und wirkungvoll meint, was selten oderniemals glücken kann.

Unerlässlich aber erachten wir für vollen Erfolg,

dass der Jünger gleichviel, von w'elcher Beschaffen-heit seine Stimme ist singen könne und fortwährendmit Antheil Gesang übe.

Denn der Gesang, das ist die dem Menschen wahrhaft eigneund eingeborne Musik; den eignen Gesang fühlt Jeder am lebhafte-sten; in ihm ist Jeder, der eben mit rechtem Antheil singt, aucham vollsten und innigsten beiheiligt, empfindet Jeder nicht nur sich,sondern erfährt auch, wie dem Sänger und jedem antheilvollenSpieler recht eigentlich zu Muth ist. Gesangkomposition ist voneinem Nicht-Sänger kaum zu denken ; aber auch andern Komposi-tionsaufgaben wird man den Mangel eignen Gesanges nur gar zuempfindlich anmerken.

Fast eben so unerlässlich ist für höhere Leistung Geschicklich-keit im Klavierspiel, um sich mit dem reichen Schatze von Kunst-werken , die von Bach bis Beethoven fast alle Meister dem