Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
8
Einzelbild herunterladen
 

8 -

lerische Unternehmungen können nickt eigentlich gelehrt, es kannnicht darin unterwiesen, sondern (unter Voraussetzung des geistigenInhalts) zu ihnen herangebildet, über sie und zu ihrer Vollführungaufgeklärt werden. Dies aber kann in der Kompositionslehre nurtheilweis geschehe; die Vollendung ist von der Philosophie derKunst zu erwarten*).

Zweitens berührt jetzt die Lehre Gegenstände,' deren Er-schöpfung sie notliwendig der allgemeinen humanistischen Bildungdes Jüngers überlassen muss, und andre, die das Wort gar nichtvollständig aussprechen, die sie nur unvollständig und gleichniss-weis, also nicht mit derjenigen Schärfe und Sicherheit bezeichnenkann, welche für Lehre wünschenswert!! ist.

Zu den erstem Gegenständen gehört die Sprache nach ihremgrammatischen, rhetorischen und prosodischen Bau und nach ihremInhalt. Zur vollen Ausrüstung für den Beruf eines Komponistendarf diese Kenntniss und Bildung (neben der Muttersprache Kennt-niss des Lateinischen, Italienischen und Französischen) gefodert undwenigstens der Hauptsache nach vorausgesetzt werden. Zu denletztem Gegenständen gehört vornehmlich der Klang der verscbied-nen Instrumente und ihrer Verschmelzungen. Keine Sprache reichtfür die Bezeichnung dieser so schwer zu bestimmenden und doch sobedeutungsvollen und einflussreichen Wesenheiten hin; kein Lehrerkann mehr als Andeutungen geben, und selbst diese nur in derForm ungefährer, nie ganz treffender Vergleichungen. Hier mussalso notliwendig die sinnliche Wahrnehmung des Jüngers dem blossandeutenden Worte des Lehrers entgegen und zu Hülfe kommen,und wir rathen Jedem, dem es mit seinen künstlerischen StudienErnst ist, dringend :

schon jetzt und von hier an unausgesetzt den Klang derv e r s c h i e d n e n Instrumente und zwar in jederTonlage mit der höchsten Aufmerksamkeit und niemalsnachlassender Beharrlichkeit zu beobachten und sich ein-zu prägen.

Es ist die unerlässliche Bedingung für die an Gestalten undFreuden überreiche Kunst der Instrumentation, überhaupt für tie-fere und vollständige Kunstbildung, dass man sich in Klang undWesen der Kunstorgane ganz und mit inniger Theilnahme einge-lebt, sich mit ihnen vollkommen vertraut gemacht habe. Wer dieseBedingung nicht erfüllt, wird auch das Wort der Lehre nicht fas-sen, viel weniger mit Lebendigkeit und Eigentümlichkeit für jeneOrgane erfinden können.

*) Das Seinige gedenkt der Verf. in derMusikwissenschaft dar-zulegen.