Druckschrift 
3 (1857)
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-f. Vorbildung zu der Lehre.

Da sonach die angewandte Kompositionslehre (S. 4) organischeFortbildung und Fortsetzung der reinen Kompositionslehre ist: soversteht sich, dass sie alle Kenntnisse, Erkenntniss und Geschick-lichkeit voraussetzl, die mit dem Studium der vorhergehnden Lehrebezweckt wurden. Dass diese Vorbildung in den frühem und gleich-zeitigen Lehrbüchern nicht vollständig und noch weniger in unsermSinne milgetheilt worden, ist bereits anderswo dargelegt; wieweitsie durch den bcsonderu Unterricht so manches geschickten Leh-rers einzelnen Jüngern zugeführt worden, muss der eignen Erwä-gung jedes Einzelnen anheimgestellt bleiben. Am sichersten wirdman sich allerdings durch das Studium der ersten Theile unsrerLehre auf die jetzt nachfolgenden vorbereitet wissen.

Hier aber wiederholen wir dringend und auf das Ernstlichsteden Rath (Th. I, S. 12),

sich nicht am blossen Wissen genügen zu lassen und nichteher in die neue Bahn einzuschreiten, als bis man die Auf-gaben der vorangehenden Lehre mit Sicherheit, Leichtigkeitund wohlthuendem Antheil der Seele (Th. II, S. 10) lösenkann.

Selbst unter dieser Voraussetzung hat es uns stets vorteil-haft geschienen, zwischen der reinen und angewandten Lehre einenRuhemoment eintreten zu lassen.

5. Begränzung der Lehre.

Nach zwei Seiten hin trifft jetzt die Kompositionslehre aufihre Gränzen.

Erstens verbindet sich bekanntlich die Tonkunst mit andernZwecken und widmet sich Ideen, die nicht unmittelbar und aus-schliesslich ihr eigen sind. Hierhin gehört der Verein der .Musikmit dramatischen Kunstproduktionen (Oper, Melodram u. s. w.)und ihre Widmung für bestimmte kirchliche Momente (Messe u.s. w.),dann die musikalische Offenbarung von Gemüths- oder selbst äusser-lich sich kundgebenden Zuständen (musikalische Malerei, wennman sich das verrufne Wort der Kürze wegen ohne weitere Er-läuterung hier*) gefallen lassen will), seihst die Zusammen-stellung verschiedner Musiksätze zu einem grossem Ganzen (Sym-phonie u. s. w.), sofern dieses die Offenbarung einer höhern Idee,nicht bloss eine formelle Aufeinanderfolge ist. Dergleichen.künst-

*) Einstweilen bietet des Verf. ,,Ueber Malerei in der Tonkunst (Berlin,bei Fink) Aufklärung.