Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
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Augenblick mit ihnen in Widerspruch geralhen, ihnen etwas Un-thunliches oder Ungünstiges zuinulhen, das ihnen Erreichbare undGünstige aber versäumen oder verfehlen wollen. Wir dürfen unsalso von nun an keineswegs damit zufrieden geben, dass unserTonstück nach den abstrakten Anfoderungeu der reinen Komposi-tionslehre befriedige, sondern erkennen noch iiberdem die Aufgabean, es nach der Fähigkeit und d e m S i n n der 0 rg ane, fürdie es bestimmt ist, zu vollführen.

Hierbei tritt also ein bisher ganz bei Seile gelassenes Elementder Musik', der Klang*), überhaupt der Karakter und dieFähigkeit der Musikorgane, in unsern Gesichtskreis.

Ferner wissen wir, dass der menschliche Gesang in der Regelmit dem gesunguen Wort, mit dem Texte vereint ist, und dassdie Sprache neben dem geistigen Inhalt ihrer Worte und Sätzeauch ihren eignen Rhythmus, ihre Formen, ihre mannigfachenund durchweg ausdrucksvollen Klänge (die Laute und ihre Ver-bindung) in sich hat. Alle diese Seiten der Sprache kommen imGesang neben dem Rein-Musikalischen in Anregung; wir werdenfolglich kein Gelingen unsrer Gesangkompositionen holfen dürfen,wenn wir sie nicht hinreichend, das heisst möglichst tief erkannthaben. Abgesebn aber vom Sprachlichen tritt die Singstinime nachObigem in eine Reihe mit den andern Musikorganen und will nachTonumfang, Geschick, Klangweise u. s. w. gekannt und bedachtsein. So tritt also nächst

dem Elemente des Klangsnoch ein zweiter bisher fern gebliebner Gegenstand,die Sprache, als Gesangtext,in die Reihe unsrer Studien. Wie wir nun schon in der reinenKompositionslehre, je tiefer wir eindrangen, um so mehr uns ge-wöhnt haben, die verschiednen Stimmen (zumal in polyphonen Sätzen)uns als besondre und bestimmte Persönlichkeiten (Th. I, S. 339;Th. II, S. 143 u. a.) vorzustellen: so treten jetzt in der That dieverschiednen Organe als so viel besondre Wesen, gleichsam alsdie verschiednen Personen eines grossen Dramas gegenüber, undwir haben, wie der wahre dramatische Dichter, jede dieser Personenihrem eignen Sinne gemäss zur Mitthätigkeit zu bringen.

o. Rückwirkung auf die vorangehende Lehre.

Durch die neue Richtung der fernem Lehre ist nun auch dieentschiedenste Rückwirkung auf den Inhalt der vorangehenden be-

*). Atlgem. Musiklehre, S. 2, 3, 148.