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soll leben, was wir geübt und vorbereitet, soll angewendet und da-mit der Weg zu dem höchsten Lohn und Glück der Kunst er-schlossen werden, die in nichts andern], als im Ersinnen und Voll-führen der Kunstwerke zu suchen sind, ln diesem Sinne heisst diefernere Lehre
angewandte Kompositionslehre,
im Gegensätze zu der reinen Kompositionslehre, unter welchem(andern Lehren entlehnten) Namen wir (Th. I, S. 5) die frühemLehrtheile zusammengefasst haben.
2. Neue Gegenstände der Lehre.
Unsre Aufgabe ist also, nicht mehr abstrakte Weisen, sondernKompositionen für bestimmte Musikorgane zu bilden, — mithin Kom-positionen, die für diese Organe in jeder Beziehung geeignet sind.Wir müssen daher mit diesen Musikorganen möglichst genaue Be-kanntschaft machen, um zu wissen, was jedes^lerselben für sichallein oder in Verbindung mit andern leisten kann, und was sich fürjedes derselben eignet.
Schon oberflächliche Beobachtung lehrt, dass jedes der Musik-organe (mit Ausnahme einiger untergeordneter Schlaginstrumente)einer mehr oder weniger ausgedehnten Tonreihe mächtig und inner-halb derselben zu gewissen Hervorbringungen (Tonbalten, Tonfigu-ren, schnelle Tonfolge ui s. rv.) mehr oder weniger geschickt ist;dass sich auch hierin die verschiednen Organe vielfältig unterschei-den, z. B. Geigen, Flöten, Diskantstimmen höhere Tonlagen, Fa-gotte, Kontrabässe, Tenor- oder Bassstimmen dagegen tiefere, —Klarinetten eine vollständigere und umfassendere Tonreihe haben,als Trompeten; dass aber ganz abgesehn vom Tongehalt die ver-schiednen Instrumente (und in gewisser Hinsicht auch die Singslim-men) auch noch durch die Ei ge n t h ü m 1 i c h k ei t ihres Klan-ges, durch die Weise, in der ihre Töne das Wesen des Instru-ments aussprechen und unsern Sinn ansprechen, sich von einanderunterscheiden.
Es ist einleuchtend, dass wir das Wesen und Vermögen allerdurch die wir wirken, in deren Sinn und Wesen wir kom-poniren wollen, genau*) kennen müssen, wenn wir nicht jeden
Organe
*) Was die allgem, Musiklehre S. 143 hiervon nnltlieill, kann für die Auf-gabe des Komponisten natürlich nicht ausreichen, soll vielmehr nur die allge-meine, elementare Einsicht und Kenntniss ertheilen. Der vierte Tbeil der Kom-positionslehre giebt befriedigendem Nachweis.