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Die Industrie der Fettkörper und das Glycerin.
Maschinenbaus und der chemischen Fabrikation Nutzen zu ziehen undsiegreich den Kampf zu bestehen, zu Anfang gegen Talg, Wallrath,Wachs, später gegen Paraffin und Cerasin. Trotz der zahlreich undmassenhaft eingeführten neuen Leuchtstoffe behauptet die Stearinkerzedas gewonnene Feld und wird in allen civilisirten Ländern in jährlichsteigender Menge fabricirt und verbraucht. Ihr Sieg wurde dadurcherleichtert, wenn nicht ermöglicht, dass man lernte, die Zerlegung derFette so zu leiten, dass die abgeschiedenen Producte ganz oder grössten-theils im freien Zustande erhalten werden und dadurch, dass man auchdas dritte Product, welches ausser der Stearinsäure und Oelsäure auf-tritt, das anfangs missachtete Glycerin zu gewinnen, zu reinigen undzu benutzen lernte.
Die Weltausstellungen, welche derjenigen zu Wien vorangin-gen , die von London und Paris, haben zu Berichten * * * 4 ) Anlass ge-geben, welche uns ein lebendiges Bild von den Fortschritten derStearinfabrikation bis 1867 liefern. Wir ersehen aus diesen Be-richten, dass Milly’s Kalkverseifung in offenen oder verschlossenenKufen unter Anwendung von 14 bis 17 p. C. Kalk bis gegen 1845fast allein angewandt wurde, und seihst 1867 noch nicht völlig ver-drängt war. Jetzt dürfte diese Methode an allen Orten aufgegeben sein 2 ).
Viel weiter verbreitet ist die 1834 von Milly und Motard 3 ) an-gedeutete, 1855 von Milly vervollkommnete Verseifung in Autoklavenunter Zusatz von 2 bis 4 p. C. Kalk bei 170°. Sie wird in deutschen,österreichischen, französischen und italienischen Fabriken noch gegen-wärtig nahezu in derselben Weise ausgeführt, wie Milly sie 1855 denPreisrichtern der Pariser Ausstellung 4 ) mittheilte und wie sie in Wag-ner’s Handbuch der Technologie und an vielen anderen Orten be-schrieben ist 5 ). Für die locale Industrie, welche Gelegenheit findet,billigen Talg zu kaufen und denselben für sich oder unter Zusatz vonPalmöl verarbeitet, und welche mit Seifenfabrikation verbunden ist,dürfte ein zwingender Anlass dieses Verfahren zu verlassen nicht vor-handen sein, so lange das Publicum eine oleinfreie Stearinkerze zuschätzen weiss. Eine Schwäche dieser Methode liegt darin, dass diedurch den Kalk bewirkte Verseifung in der Regel eine unvollständige
*) London 1862, Reports by tlie juries, Lond. 1863, 01. IV, Sect. A.—
Rapports du jury internat. Paris 1862, II, 199. — Paris 18 67. Rapportsdu jury internat. Paris 1868; VI, 174, Ber. von L. Smith; VII, 166, Ber.v. A. Pourcade; VIII, 381, Ber. v. Motard. 2 ) Die letzte, dem Refer.
bekannte Fabrik, welche nach diesem Verfahren arbeitete, in Cassel, wurde1872 geschlossen. 3 ) Milly u. Motard, Brevets d’invention LII, 505.
4 ) Nach J. Pelouze, Compt rend. XLI, 973. B ) Wagner’s Handb. der
chem. Teclinol. 9. Aufl. Leipzig 1873, 319. — Payen, Precis de cliim.industr. 5. Edit. Paris 1867, II, 785.