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Gruppe III. Chemische Industrie.
Papaverin, C 21 H 21 N0. t , ist nach dem Verfasser nach der ange-führten Formel zusammengesetzt. Zur Darstellung dieses Alkaloidswurde dessen Eigenschaft benutzt, dass es Essigsäure nicht neutralisirt;man erhält so ein Gemisch von Narcotin und Papaverin, aus welchemletzteres mittelst Oxalsäure abgeschieden wird. Das durch Umkrystal-lisiren des Oxalates ans kochendem Wasser und schliesslich der freienBase aus kochendem Weingeist gereinigte Papaverin zeigt nur schwie-rig die blaue Färbung mit Schwefelsäure, welche der Entdecker dieserBase, G. Merck, so leicht bei dem Alkaloid eintreten sah. Es löst sichsogar farblos in eoncentrirter Schwefelsäure, wenn man vorsichtig damitoperirt. Das Papaverin geht bei seiner Behandlung mit verdünnterSalpetersäure sehr leicht in Nitropapaverin über, das im freien Zustandedieselbe procentische Zusammensetzung hat, wie das Nitrocryptopin,jedoch 1 Molecul Krystallwasser enthält, das es bei seiner Verbindungmit Säuren meist abgiebt. Es ist daher:
Nitrocryptopin = C 21 II 22 (N 0 2 )N0 5 .
Nitropapaverin = C 21 H 22 (N0 2 )N0 5 = C 21 H 20 (N 0 2 ) N 0 4 + H 2 0.
Das Papaverin glaubte Leidesdorf 1 ) als ein vorzügliches Mittelgegen Schlaflosigkeit, namentlich bei Geisteskranken, ansprechen zumüssen. Es kam daher für einige Zeit in Aufnahme, ist aber gegen-wärtig fast ganz ausser Gebrauch, weil, wie sich später herausgestellthat, es nahezu ohne jede Wirkung ist.
Dasselbe gilt auch von dem Narcei'n, von welchem früherCI. Bernard nur Rühmliches berichten konnte.
Ausser diesen Basen sind vom Verfasser 2 ) noch die folgenden ausdem Opium dargestellt worden:
L a udani n , C 2() H 2r , N0_i, 1870 aufgefunden, krystallisirt in farb-losen körnigen Krystallen, welche sich leicht in siedendem, schwer inkaltem Alkohol lösen. Es bildet mit Säuren meist gut krystallisirendeSalze, löst sich auch in Aetzlaugen, woraus es jedoch durch weiterenZusatz von Kali- oder Natronlauge wieder gefällt wird. Das Laudaninist in bedeutender Menge in dem Opium enthalten, scheint sich jedochnicht an dessen Wirkungsweise zu betheiligen, da nach Versuchen,welche Fronmüller an mehreren Personen anstellte und wobei dieDosis bis zu 1’5 g gesteigert wurde, irgend welche Wirkung nichtzu bemerken war.
Codamin, isomer mit Laudanin, löst sich leicht in Alkohol undkrystallisirt in grossen farblosen Prismen. Es zeichnet sich vor allen
*) Leidesdorf, Allg. Wiener Med. Ztg. 1869, Nr. I. 2 ) Hesse, Ann.Cliem. Pharm. CLIII, 47 und Suppl. VIII, 261.