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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Alkaloide.

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angeritzt worden sind, so wird der austretende Milchsaft abgewaschenund geht verloren, ebenso meist nach Kegen, weil in diesem Falle derSaft zu wässerig oder verdünntist und leicht von der Mohnkapsel abtropft.Starker Wind und starker Thau beeinträchtigen gleichfalls die Opium-ernte. Heisse trockne Erntezeit ergiebt wenig Opium, welches daun imAllgemeinen reichhaltiger an Morphin ist.

Ebenso muss die Opium ge winnung zur rechten Zeit vorgenommenwerden, nicht zufrüh, da sonst die Kapseln leicht durchgeschnitten würden,noch zu spät, da, wie Verfasser 1 ) gefunden hat, das Morphin mit zu-nehmender Reife der Mohnpflanze abnimmt, und schliesslich ganz ver-schwindet. Aus diesem Grunde erhielt offenbar Aubergier 2 ) 1844 vonweissem Mohn als erste Ernte ein Opium mit 8'57 p.C. Morphin, alszweite Ernte dagegen, welche 8 Tage später vorgenommen wurde, einOpium mit nur 1'52 p. C. Morphin.

Obgleich die Opiumcultur inDeutschland und in Nordamerika sich inden ersten Stadien ihrer Entwickelung befindet, so ist dieselbe auch schonauf Abwege gerathen, indem man nämlich in Nordamerika sowohl wie inWürttemberg das mühsame Einsammeln des Opiums dadurch abzukürzensuchte, dass man unmittelbar die ganze Mohnpflanze oder Theile der-selben auspresste und den gewonnenen Saft eintrocknete. In solchemPräparat ist der Morphingehalt äusserst gering und nicht zu verwerthen.

Wenngleich in Deutschland bis jetzt schon hübsche Quantitäten vonOpium gewonnen worden sind, so sind dieselben doch zu gering gewesen,um irgend welchen Einfluss auf den Markt auszuüben, noch das türkischeOpium zur Morphindarstellung entbehrlich zu machen.

Wie bedeutend die Opiumcultur in Kleinasien ist, ergiebt sich ausdem Bericht von J. M. Stöckel 3 ). Dort betrug die Opiumernte imJahre 1871 etwa 7000 Couffen, 1872 etwa 4000 bis 5000 Couffen,(1 Couffe = circa 60 Kg, l 1 / 2 (kniffe = 1 Kiste).

Es wurden von Smyrna in den Monaten Januar bis Juni ausgeführt:

nach dem Continent, Singapur

im Jahre England Nordamerika mit Holland und China

1871 841 408 592 100 Kisten Opium.

1872 1102 480 704 466

Von diesem Opium wird das Tschikinte, d. i. die der Roba Commune 4 )entnommene Ausschusswaare, gewöhnlich in Deutschland und in Frank-reich zur Morphingewinnung verwendet.

4 ) Hesse, Ann. Cliem. Pharm. Suppl. VIII, 332. 2 ) Aubergier,

Gmelin, Chemie VII, S. 1326. 3 ) Stöckel, Handelsbeilagezur Allgemeinen

Zeitung vom lO.Aug. 1872. 4 ) Die Roba Commune wird in der Hegend von

Afioun Caraissar, Taunkauli und Uschak gesammelt und ist ein grossbrodigesOpium von 7'5 bis 9 p. C. Morphin. MitYerli wird ein mittleres Opiumbezeichnet, das in der Gegend von Kirkagatsch, Kiutaliia und Akliissar ge-wonnen wird, endlich das beste Opium,Bojaditscli genannt,weil es vorzugs-weise in dem gleichnamigen Orte erzeugt wird.

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