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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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4GG Gruppe III. Chemische Industrie.

13 p. C. zeigte, das also mehr Morphiu enthielt als gegenwärtig das besteBojaditsch. Ebenso günstig spricht sich S o h w e n d x ) über die Gewinnungdieser Drogue in Deutschland aus. Wie früher 0. Desaga 2 ), so machtauch Schwend eine ausführliche Mittheilung über Opiumgewinnungresp. über Mohnhau. Schwend berechnet, dass eine Hektare Land mitMohn bepflanzt neben ca. 15 Ctr. Mohnsamen 10 Kg Opium liefere.

Auch in einigen Gegenden Schlesiens, wo Mohnpflanzen cultivirtwerden, wurde nach*dem Berichte der Breslauer Handelskammer pro 1S70ein Opium mit einem Gehalt von 13 bis 14 p. C. Morphin gewonnen.Desgleichen wurden am Rhein, in Oesterreich (namentlich auf den Herr-schaften des Fürsten Schwarzenberg), in Spanien, in Nordamerika undin Australien bezügliche Versuche ausgeführt, welche recht guteResultate lieferten.

Obgleich G. Merck schon früher (1848) bei Darmstadt ein Opiummit 16 p. C. Morphin erhielt, so neigt sich doch jetzt Merck 3 ) in Folgeseiner neuesten Versuche über diesen Gegenstand, welche ihm in demeinen Falle ein Opium mit kaum 2 p. 0., in dem anderen aber ein solchesmit 7 p. C. Morphin ergaben, der Ansicht zu, dass die Opiumcultur inEuropa nicht lebensfähig sei, namentlich in Anbetracht der hohen Arbeits-löhne 4 ), welche hier gezahlt werden. Auch ist Merck der Meinung, dassnicht für jeden District die Opiumcultur zu empfehlen sei, indem dieQualität des Opiums von den Bodenverhältnissen abhänge. Es gehedies ganz besonders aus dem Umstand hervor, dass in Aegypten, der Ge-burtsstätte der Opiumcultur, ein Opium gewonnen werde, das bis jetzt nieden Gehalt des türkischen Products erreicht habe, obwohl demselbengünstige Bedingungen zur Seite standen.

Indess hat sich ergeben, dass die geringere Qualität des ägyptischenOpiums vorzugsweise von der Sorglosigkeit bedingt ist, mit welcher dortdie Ernte dieser wichtigen Drogue vorgenommen wird. Es war daherGastinel 6 ) auch möglich, nach Beseitigung dieser Uebelstände ein Opiummit 9 bis 10 p. C. Morphin zu gewinnen, das mithin bezüglich des Morphin-gehaltes einem guten türkischen Opium zur Seite gestellt werden kann.

Nicht minder als die Bodenculturen, denen irgend welcher Einflussauf die Qualität des Opiums nicht abgesprochen werden kann, kommendiejeweilig herrschenden meteorologischen Verhältnisse bei der Opium-gewinnung in Betracht. Wenn Regenwetter eintritt, sobald die Kapseln

!) Schwend, N. Jahrb. f. Pharm. XXXIV, 74_u. 96. 2 ) Oscar Desaga,

Ueber den Anbau des orientalischen Mohn und Gewinnung des Opiums auf ein-heimischem Boden. Karlsruhe 1868. 3 ) Merck, X. Jahrb. f. Pharm.

XXXVIII, 65. *) Da sich zur Zeit der Opiumernte die Feldgeschäfte liier

in Deutschland sehr zusammen drängen , so meint J. Jobst, dass sich nursolche Personen mit der Opiumernte zu befassen hätten, die zu den anderenFeldarbeiten nicht tauglich seien. 5 ) Gastinel, Officieller Ausstellungs-bericht: Die Arzneiwaaren , Bericht von Sc-hroff, S. 43.