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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Organische Säuren. 457

Auch einige andere Gerbsäuren, wie die Catechu- und Moringerb-säure, lassen sich durch Ausziehen mit Wasser und mehrfaches Um-krystallisiren ziemlich rein erhalten. Die übrigen können, obwohl keines-wegs in ganz reinem Zustande, mittelst der von Hlasiwetz eingeführ-ten Methode durch Fällen mit Bleizuckerlösung und Zersetzung desBleiniederschlags durch Schwefelwasserstoff abgeschieden werden. Siekommen indess in der Industrie ausschliesslich in Gestalt ihres Roh-materials resp. des Extracts desselben zur Verwendung.

Die praktische Anwendung der Gerbsäuren ist entsprechend denmerkwürdigen schätzbaren Eigenschaften derselben eine sehr vielseitige.Ihre adstringirenden Wirkungen begründen ihre Verwendung in derMedicin und als Antisepticum in den Gährungsgewerben, der Bier- undWeinfabrikation. Die Eigenschaft, mit Eisensalzen schwarzblaue Ver-bindungen einzugehen, befähigt sie zur Verwendung bei der Tinten-fabrikation. Endlich ihre Fähigkeit, sowohl mit Farbstoffen als mitgewissen Bestandteilen der thierischen Haut schwerlösliche Verbindun-gen zu bilden, begründet ihren ausgedehnten Gebrauch in der Färbereials Beizmittel und in der Gerberei.

Keineswegs allen Gerbsäuren der verschiedenen Pflanzen kommendiese Eigenschaften in gleichem Maasse zu. Es ist daher bei der Aus-wahl der Rohmaterialien nicht allein der Gehalt an Gerbstoff und derHandelswerth des Materials maassgebend.

Zu therapeutischen Zwecken findet jetzt fast ausschliesslich dasTannin in allen den Fällen Verwendung, wo früher sogenannte ad-stringirende Rinden und Pflanzensäfte resp. deren Extracte gebrauchtwurden.

Für die Bierbrauerei x ) und Weinfabrikation 2 ) ist das Tannin inneuerer Zeit von der grössten Bedeutung geworden. Es wird vielfachals Ersatzmittel für den Hopfen gebraucht, indem es die klärende undconservirende Wirkung desselben in vollem Maasse besitzt.

Zum Klären des Weines führt der Zusatz von Tannin schnellerund sicherer zum Ziele, alsdas Schönen mit Hausenblase, da es dieFähigkeit besitzt, die den Wein trübenden suspendirten Theile nieder-zureissen. Tannin ist namentlich zu verwenden bei vorwiegend albu-minreichen Weinen, während bei tanninreichen Weinen der Zusatz vonEiweiss sich empfiehlt, da die Wirkungen dieser Mittel sich gegenseitigergänzen.

Ueber den conservirenden Einfluss des Tannins auf den Wein .hat, veranlasst durch die Beobachtungen Pasteurs, dass die Krank-

x ) Vergl. Bresoius, Monit. scientif. III, 608; Dingl. pol. J. CG, 424;ibid. CCII, 310; Bayer. Bierbrauer 1871, Nr. 1 und 6. 2 ) Vergl. P. Wag-

ner, Ber. d. landwirthsch. Versuchsstation Darmstadt 1874; NaumannsJahresber. 1874, 1178.