Druckschrift 
3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
Seite
431
Einzelbild herunterladen
 

431

Organische Säuren.

liehen Volums ein und fällt die Benzoesäure mittelst Salzsäure. Buch-holz 1 ) empfiehlt die Anwendung von 1 / i Gew.-Thl. krystallisirterSoda an Stelle des Kalkhydrats. Dadurch wird aber auch Harz inLösung gebrächt, da das Harznatron nicht wie der Harzkalk in Wasserunlöslich ist, und dies kann nur durch vorsichtige fractionirte Fällirngvon der Benzoesäure getrennt werden.

Unter den vielen künstlichen Bildungsweisen der Benzoesäure stehtfür praktische Zwecke die 'aus Hippursäure obenan. Die im Harnaller grasfressenden Thiere reichlich vorhandene Hippursäure spaltetsich, wie Dessaignes 2 ) zuerst beobachtet hat, beim Kochen mit wässe-rigen Säuren oder Alkalien, sowie bei der Fäulniss mit stickstoffhaltigenKörpern unter Wasseraufnahme in Glycocoll und Benzoesäure. Pferde-und Kuhharn wird entweder längere Zeit mit concentrirter Salzsäuregekocht, oder man lässt ihn faulen, fällt mit Kalkmilch, filtrirt, dampftdas Filtrat ein und fällt daraus die Säure mit Salzsäure. Zur Reinigungwird sie nochmals unter Zusatz von etwas Chlorkalk in dünner Kalk-milch gelöst, aus der Lösung mit Salzsäure wieder ausgefällt und ausWasser umkrystallisirt. Die so dargestellte Säure (ac, benzoicum exurina ) riecht stets etwas nach Harn, und darf zu medicinischenZwecken nicht verwendet werden.

Nach Mittheilungen des Hrn. C. J. Kaufmann 3 ) werden inseiner Fabrik zu Königsberg in Ostpreussen, wo die dort gebräuchlicheFütterung der Pferde und des Rindviehs sich für die Gewinnung vonBenzoesäure besonders günstig erweist, jährlich 70 Ctr. reiner Säuregewonnen. Zur Gewinnung dieser Menge bedarf es nicht wenigerals 35 000 Ctr. Jauche von Pferden und Rindern, zur Verdampfung derMasse mehrerer Schiffsladungen Heizmaterial und etwa 1000 Ctr. einerkräftigen Salzsäure 4 ).

Ein Ausgangspunkt zur Darstellung von Benzoesäure im Grossenist ferner das Naphtalin. Dieser billig zu beschaffende Kohlenwasser-stoff liefert bei der Oxydation Phtalsäure, deren Calciumsalz beim Er-hitzen mit Kalkhydrat auf 330 bis 350° unter möglichstem Luftabschlussin die Calcium Verbindungen der Kohlensäure und der Benzoesäure zerfällt:2C 3 H 4 0 4 Ca -f Ca(OH) 2 = (C 7 H 5 0 2 ) 2 Ca -f 2CO s Ca.

Bei der Einwirkung von Chlor auf Naphtalin entsteht ein Chlor-additionsproduct desselben, welches leichter zu Phtalsäure oxydirt wird, alsdas Naphtalin selbst, und ausserdem das Material zu einem rothenFarb-

4 ) Buchholz, Gehlens Journ. f. Chem. u. Pliys. IX, 340. 2 ) Des-saignes, Ann. Chim. Pliys. [3], XVII, 50. 3 ) Kaufmann, Dingl. pol. J.

CC, 244; Wagn. Jahresber. 1871, 378. 4 ) Vorzüglich schöne Proben von

auf diese Weise dargestellter Benzoesäure aus der Fabrik des Hrn. Kauf-mann, sowie aus derjenigen der II.Hrn. Furtenbach und Oelhafen inReichelsdorf bei Nürnberg sind zur Zeit in der wissenschaftlichen Ausstellungin London zu sehen.