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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Organische Säuren. 415

In der Kunheim sehen Fabrik werden ausschliesslich Späne vonTannen- oder Kiefernholz verarbeitet, nicht nur wegen der besserenAusbeute, sondern auch deswegen, weil die sogenannten harten Hölzerstark gefärbte Schmelzen liefern. Eine gute Schmelze sieht hellgelb,fast weisslich aus. Das Schmelzen geschieht dort auf gusseiseren Plateauxin Lagen von 6 bis 7 cm Höhe.

Nach Versuchen des Hrn. Thorn ist es vortheilhaft, das Ver-hältniss von 50 Gewichtsthln. Holz auf 100 Gewichtsthle. Alkalihydratnicht wesentlich zu ändern. Bei Vergrösserung der Holzmenge erhöhtsich beim Schmelzen in dünner Schicht allerdings, auf Alkali berechnet,die Oxalsäureausbeute um einige Procente, allein der nachherigen Ge-winnung der Säure stellen sich praktische Schwierigkeiten entgegen.

Die weitere Verarbeitung der Schmelze kann auf zweierlei Weisevorgenommen werden. Entweder wird der wässerige Auszug derSchmelze direct mit Kalkmilch gekocht, um die Oxalsäure als Calcium-oxalat abzuscheiden, oder man lässt, wenn ein Gemenge von Kalium-und Natriumhydrat angewendet worden war, die Oxalsäure in Formvon schwer löslichem Natriumoxalat sich ausscheiden. Bei der erstenMethode gelangt neben Calciumoxalat eine grosse Menge Calcium-carbonat in den Niederschlag, wodurch natürlich zur nachherigen Zer-setzung auch mehr Schwefelsäure gebraucht werden muss. Ausserdemwerden grössere Apparate und mehr Brennmaterial nothwendig, undferner werden die in der Lauge enthaltenen Humuskörper hartnäckigvon den Kalksalzen festgehalten und färben nachher die Oxalsäurelösungdunkel. In der Lauge wird das Aetzkali vollständig wieder erhalten.Nach dem Eindampfen muss das Alkali aber zur Zerstörung der vielenvorhandenen organischen Stoffe calcinirt und sodann durch Kalk wie-derum kausticirt werden.

Vortheilhafter ist es daher, die Oxalsäure als Natriumsalz aus-krystallisiren zu lassen. Nach dieser Methode wird die Schmelze zu-nächst in siedendem Wasser nahezu gelöst und die Lösung his auf unge-fähr 38° B. concentrirt. Die Lösung ist, besonders wenn die Holzmengebeim Schmelzen reichlich war, durch die Anwesenheit von viel Humus-substanzen bei dieser Concentration dickflüssig, so dass dieselbe nichtdurch Abgiessen oder Filtriren von dem auskrystallisirten Natrium-oxalat getrennt werden kann. Hr. Thorn empfiehlt für die Gewin-nung des Niederschlags im Grossen die Anwendung von Filterpressenoder Centrifugen. Er giebt weiter an, dass es besser sei, die Schmelzein siedendem Wasser zu lösen und dann die Lösung einzuengen, daman auf diese Weise eine fast gänzlich oxalsäurefreie Mutterlauge er-halte, als, wie Hr. Fleck 1 ) vorgeschlagen hat, die Schmelze mit Was-ser von 16° zu behandeln, da in diesem Falle nicht nur die kohlen-

!) Pieck, Wagn. Jabresber. 1862, 515.