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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

schmack ausgezeichneten Aether in gleichem Maasse werthvoll für dieParfümerie und besonders für die Fabrikation des Rums und Cognacssich erwiesen haben.

Die gewöhnliche Methode der Darstellung der Normalbuttersäurein grösserem Maassstabe basirte seither auf der schon vor vielen Jah-ren von Pelouze und Gelis 1 ) beobachteten Bildung derselben durchGährung des Zuckers mittelst faulen Käses. Eine mit etwas Weinsäureversetzte wässerige Bohrzuckerlösung wird mit faulem Käse und saurerMilch unter Zusatz von Kreide der Gährung überlassen; nach etwa10 Tagen hat sich milchsaures Calcium abgeschieden, das sich im Ver-lauf von 5 bis 6 Wochen unter Wasserstoffentwickelung in buttersauresCalcium verwandelt. Durch kohlensaures Natrium wird dasselbe zurAbscheidung des überschüssigen Kalks in das Natriumsalz übergeführt,und aus diesem die Buttersäure durch Schwefelsäure in Freiheit gesetzt.Nach wiederholter Reinigung ist sie zur Bereitung ihrer Aether aufdem allgemeinen Wege mittelst Alkohol und Schwefelsäure geeignet.

Es hat diese Methode den Nachtheil, dass derProcess ein zu lang-wieriger und die Reinigung der Säure behufs Darstellung eines reinenAethers, der vollkommen frei von jedem fremden Beigeschmack seiumuss, nicht einfach genug ist.

Als ein vortheilhafteres Material zur Darstellung des Buttersäure-äthers für technische Zwecke hat J. Stinde 2 ) das Johannisbrod, dieFrüchte von Ceratonia siliqua, die ein wohlfeiles Handelsproduct sind,empfohlen. Im Johannisbrod, in dem zuerst Redtenbacher 3 ) Butter-säure beobachtete, ist Isobuttersäure, etwa 2 bis 3 p. C., neben etwa42 bis 43 p. C. Traubenzucker enthalten, welcher letztere, durch dasgleichzeitig vorhandene Ferment in Gährung versetzt, eine weitereMenge Buttersäure liefert.

Nach Stindes Angaben werden am besten in einem grossen höl-zernen Fass 50 Kg der zerkleinerten Schoten mit Wasser von 28° C.zu einem dünnen Brei angerührt, nach 4 bis 5 Tagen 12 Kg Schlämm-kreide zugefügt und das Ganze der Gährung überlassen, die im Sommernach 6 Wochen vollendet ist. Die dicke breiartige Masse wird sodanndirect in einer kupfernen Destillirblase durch ein Gemisch von 18 Kgenglischer Schwefelsäirre und 30 Kg Weingeist von 95 p. C. ätherificirt.

Nach H. Perutz 4 ) lässt sich der Buttersäuregehalt mancher Fettein lohnender Weise zur Darstellung des Buttersäureäthers ausbeuten.Die Buttersäure ist nicht nur in der Butter, wo sie Chevreul imLaufe seiner classischen Untersuchungen über die Fettkörper zuerstentdeckte, sondern auch in manchen anderen Fetten als Glycerinäther

b Pelouze und Gelis, Ann. chim. phys. X, 434. 2 ) Stinde, Dingl.

pol. J. CLXXXIV, 167. 3 ) Redtenbacliev, Ann. Cliem. Pliavm. LVII,

177. 4 ) Perutz, Dingl. pol. J. CLXXXVII, 258.