Organische Säuren. 405
und Genussmittel in stetem Steigen begriffen ist. Bezüglich der Detailsder Verwendung dieser Aether muss hier auf den Artikel dieses Werks„Parfümerie“ verwiesen werden.
Natürlicher Weise ist das Aufblühen dieses Fabrikationszweigesnur möglich geworden durch die wesentliche Vervollkommnung derDarstellungsmethoden der Säuren selbst, welche das letzte Jahrzehendkennen gelehrt hat.
Ameisensäure, CH 3 0 2 .
Unter den mannigfachen Bildungsweisen der Ameisensäure, desersten und typischen Repräsentanten der Reihe einbasischer Fettsäuren,sind es vorzugsweise zwei, die für ihre Darstellung im grossen Maass-stabe neuerdings von Wichtigkeit geworden sind, nämlich ihre Bildungaus Oxalsäure durch Erhitzen mit Glycerin (Berthelot) und die Bildungaus Stärke durch Einwirkung von Braunstein und Schwefelsäure.
Das ursprünglich von D ober ein er 4 ) vorgeschlagene Verfahrender Bereitung der Ameisensäure aus Holzgeist nach Art der Schnell-essigfabrikation ist gänzlich in den Hintergrund gedrängt worden.Sein Hauptmangel besteht in der Langsamkeit des Oxydationsprocesses,die theilweise ihren Grund hat in geringen Verunreinigungen desHolzgeistes durch Phenol und ähnliche Körper, welche die Oxydationhemmen, theils in dem Umstand, dass die Ameisensäurebildung nichtwie die der Essigsäure durch den Ernährungsproeess vegetabilischerGebilde, wie Mycoderma, unterstützt werden kann. Denn nach denUntersuchungen von Jodin 2 ) ist freie Ameisensäure in hohem Gradeder Entwickelung von Organismen hinderlich.
Die zuerst von Berthelot 3 ) beobachtete und zur Darstellung ver-dünnter Ameisensäure benutzte Zersetzung der Oxalsäure in Ameisen-säure und Kohlensäure beim Erhitzen mit gewissen indifferenten Kör-pern, wie Sand oder Glycerin, ist von Lorin 4 ) genau studirt worden.Lorin hat auf sie eine vortreffliche Darstellungsmethode der Ameisen-säure im Grossen gegründet, welche mit Leichtigkeit eine Säure vonverschiedener Concentration zu gewinnen gestattet.
Das von Berthelot vorgeschlagene Verfahren, nach welchem10 Thle; Oxalsäure, 10 Thle. Glycerin und 1 bis 2 Thle. Wasser 15 Stundenauf 100° erhitzt und die gebildete Ameisensäure dann mit Wasserdampfdestillirt werden, wurde von Lorin in folgender Weise modificirt:
!) Döbereiner, Gilb. Ann. LXXI, 107. 3 ) Jodin, Compt. rend.
LXI, 412 und 1179. 3 ) Berthelot, Ann. chim. phys. XLVI, 477; Ann.
Chem. Pharm. XCVIII, 139. 4 ) Lorin, Compt. rend. LXI, 382 und 386;
Dingl. pol. J. CLXXVIII, 300 und 304.