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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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' Essigsäure. 401

gesagt einer Verbindung von Kaliumacetat mit Essigsäure durch Ab-destilliren zu gewinnen, der auch hier und da zur Ausführung gekom-men ist, ist für die Praxis nicht von der Bedeutung geworden, welcheman zu erwarten berechtigt schien. Die sehr hohe Temperatur, diediese Methode erfordert, verbunden mit der Gefahr, die das Manipulirenmit geschmolzenen und bei zu grosser Hitze zersetzbaren Salzmassenfür den Arbeiter mit sich führt, sind einer allgemeinen Anwendunghinderlich gewesen.

Man stellt an eine gute Essigsäure, zumal wenn sie für medi-cinische oder analytische Zwecke Anwendung finden soll, die Anforde-rung, dass sie frei von Mineralsäuren und Metallen, dann aber auchfrei von empyreumatischen Beimengungen sei. Sie darf also eine Lö-sung von Kaliumpermanganat selbst nach längerer Zeit nicht entfärben.Soweit diese Forderung sich auf verdünnte Essigsäure, oder auf einemit gleichen Theilen Wasser vermischte Essigsäure erstreckt, ist sieals vollkommen erfüllbar anzuerkennen. Starke 96 p. 0. haltendeEssigsäure aber gegen Kaliumpermanganatlösung bei Zutritt von Luftunempfindlich zu machen, ist unmöglich, weil eine solche Säure einvortreffliches Lösungsmittel für die in der Atmosphäre schwebendenOrganismen abgiebt. Man beobachtet deshalb bei einer starken Eisessig-säure immer eine sehr bald eintretende reducirende Wirkung auf daseben genannte Keagens.

Gewöhnlich genügt eine einmalige Rectification über Kalium-bichromat oder noch besser Kaliumpermanganat, um die Säure vonentsprechender Reinheit zu erhalten. Die Operation wird am besten inkupfernen Dampf blasen, welche mit Silberkühlern verbunden sind, vor-genommen ; auch empfiehlt es sich zum Schutze des Metalls unterKohlensäureabschluss zu arbeiten.

Die Stärke der in den Handel gelangenden Eisessigsäure wird ge-wöhnlich durch ihr Lösungsvermögen zu Citronenöl bestimmt. Manunterscheidet eine Säure, die Citronenöl in allen Verhältnissen, und einesolche, die dasselbe in dem Verhältniss bei 1 :10 löst. Erstere entsprichteinem Gehalte von 99 p. C., letztere einem solchen von 95 bis 96 p. C.Monohydrat. Da die Zuverlässigkeit dieser Bestimmung bis zum ge-wissen Grade durch die Veränderlichkeit 'des Citroneüöls alterirt wird,insofern ein theilweise verharztes Oel .weit leichter von Essigsäure ge-löst wird, so muss man der bei den dünneren Essigsäuren üblichenMethode, mit Normalnatron den Stärkegehalt festzustellen, ihrer abso-luten Genauigkeit wegen den Vorzug geben. Nach den BestimmungenRüdorffs *) schmilzt eine reine Essigsäure von 100 p. C. bei 1670,ein geringer Gehalt von Wasser drückt den Schmelzpunkt bedeutendherab, so dass beispielsweise eine Säure von 94 p. C. einen um 8° nie-

1 ) Küdorff, Ber. chem. Ges. 1870, 390.

Wiener Weltausstellung. UI. i. 2.

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