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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

stört, so geht die Oxydation bei ungehemmtem Luftzutritt schnellerund energischer vor sich und begünstigt die Baldriansäurebildung»

Die chemischen Bestandtheile des Lupulins sind ziemlich zahlreich.Es finden sich darin ausser dem ätherischen Oel eine in Wasser unlös-liche in alkoholischer Lösung äusserst bitter schmeckende, in reinemZustande farblose krystallisirbare Substanz, dann wachsähnliche Ma-terien, und aus dem krystallinischen Körper durch Oxydation entstan-dene harzartige Substanzen, ausserdem ein eigenthümlicher gelberFarbstoff. Weiter findet man unter den Bestandtheilen des HopfensGerbsäure, Gummi u. s. w. aufgeführt. Auch geringe Mengen Zuckerund Bernsteinsäure sind im Lupulin enthalten.

Für den Brauer hat die erwähnte krystallinisehe Substanz dasnächste Interesse. Dieselbe ist im Jahre 1862 von Lermer im Rei-schauerschen Laboratorium zu München isolirt und mit dem Namen:Lupulopikrin oder Hopfenbittersäure belegt worden 1 ). Siestellt ein mit ausserordentlicher Krystallisationsfähigkeit begabtes, che-misch selbständiges Einzelglied dar, indem sie in zolllangen, sehr voll-ständig ausgebildeten Prismen erhalten werden kann. Diese Krystallezeichnen sich durch eine grosse Sprödigkeit aus, verharzen aber ander Luft leicht. Wegen ihrer Unlöslichkeit im Wasser zeigen sie aufdie Zunge gebracht keinen Geschmack, löst man sie aber in Weingeistund verdünnt mit Wasser, so tritt ihr bitterer Geschmack intensivhervor und man erkennt leicht die Identität desselben mit demjenigendes gehopften Bieres. Lermer hat übrigens die Hopfenbittersäure auchdirect aus dem Biere in Krystallen abgeschieden. Die Menge derselbendarin ist, wie leicht begreiflich, ausserordentlich gering. In Alkohol,Aether, Chloroform, Schwefelkohlenstoff, Benzol, Terpentinöl etc. istdie Hopfenbittersäure äusserst leicht löslich. Die ätherische und alko-holische Lösung zeigen auf Lackmuspapier eine deutlich saure Reaction,weshalb sie, wie ausserdem wegen ihrer Verbindung mit Kupferoxyd zueinem wohlkrystallisirten Salze, auch den Namen Hopfenbittersäureerhält. Die Zusammensetzung des Kupfersalzes fand Lermer zuCu 0, C S2 H ä o 0 7 (?), worin sich eine gewisse Verwandtschaft zu anderenBitterstoffen, z. B. aus demWermuth und der Jalappinolsäure, andeutet,welche Substanzen dieselbe Anzahl Kohlenstoffäquivalente enthalten.

Hopfenöl. Dasselbe wurde schon von Gehlen aus dem Hopfendargestellt. Es ist sehr leicht zu gewinnen, wenn man frischen Hopfenmit Wasser destillirt oder von Dampf durchströmen lässt. Auf demDestillate scheidet es sich als fast farblose gelbliche Oelschicht ab.Man erhält aus gutem Hopfen zwischen 0'2 bis 0'8 p. C. desselben.Personale betrachtet das Hopfenöl, ähnlich wie das Valerianöl, als aus

x ) Lermer, Dingl. pol. J. CLXIX, S. 54.