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Gruppe III. Chemische Industrie.
dazu bei, dass hell gewesene Weine wieder trüb werden und dass beiAusstellungen zuweilen so viel Weine trüb sind. Es war dies in Wienin hohem Grade der Fall.
Diese verschiedenen Methoden, den Wein süss zu erhalten, odersüss zu machen, sind zwar nicht ausschliesslich Eigentümlichkeiteneinzelner Weinländer 1 ), doch können wir annehmen, dass das Ein-kochen des Mostes vorzugsweise nur in Spanien, Portugal, Italien undGriechenland und auch da von Jahr zu Jahr weniger ausgeführt wird.Grosse Mengen Weingeist (bis zu 10 p. C. des Weines) werden inden genannten Ländern und zum Theil in Frankreich zugesetzt, be-sonders dann, wenn er für den englischen Markt bestimmt ist. DerGeist der starken spanischen, portugiesischen und italienischen Weine,den man oft der südlichen Sonne zuschreibt, rührt zum grösseren Theilvon den Kartoffelfeldern Norddeutschlands her. Weinen, welche aufsehr grosse Entfernung besonders nach aussereuropäischen Länderngeschickt werden, setzt man übrigens sehr häufig auch in anderen Län-dern bald mehr, bald weniger Weingeist zu, um die Haltbarkeit dersel-ben zu erhöhen.
Die Anwendung der schwelligen Säure, um den Weisswein süsszu halten, ist besonders in Frankreich üblich. Der Zusatz von Zuckerzum Most ist in Frankreich, Oesterreich, der Schweiz und Deutschlandziemlich verbreitet. Das Yersüssen saurer Weine durch süsse, südlicheWeine, die selbst schon nach einer dieser Methoden süss gehalten wur-den, findet am meisten in Deutschland statt.
Mit Glycerin versüsst werden wohl die Weine nur bei Weinhändlernund zwar wahrscheinlich vorzugsweise in England, Deutschland undOesterreich.
Noch im vorigen Jahrhundert wurde, wie es scheint, öfter Bleizuckeroder Bleiglätte zum Yersüssen des Weines verwendet, wenigstens findetman in allen älteren Büchern über Wein Mittel angegeben, wie Bleiim Wein erkannt werden kann. In neuerer Zeit findet eine solche Ver-fälschung wohl nicht mehr statt, dagegen kommen viele Weine im Han-del vor, die sowohl in ihrer chemischen Zusammensetzung als in ihrenEigenschaften vom Wein, der nur aus Traubensaft gewonnen wird, we-sentlich abweichen.
Ob und wie weit es als Verfälschung zu betrachten ist, wenn chap-talisirte, petiotisirte oder gallisirte Weine als echte Weine verkauftwerden, will ich hier nicht erörtern, so viel aber steht fest, dass dieseVerfahren, richtig ausgeführt, sowohl für die Weinproducenten als fürdie Consumenten von grossem Werth sind, denn nur dadurch ist esmöglich, regelmässig einen billigeren und doch guten Wein zu erzeugen.
V S. Amtlicher Bericht über die Wiener Weltausstellung im Jahre 1873von der Centralcommission des deutschen Reiches I, Heft 3, 79 u. f.