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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

unlöslich werdenden Stoffe in der Weise umgeändert werden können,dass sie löslich bleiben, ohne dass hierbei der rothe Farbstoff des Roth-weins zerstört wird. Selbstverständlich darf nicht mehr schwefligeSäure verwendet werden, als für die Umänderung jener ersten Stoffenöthig ist. Bei unseren Versuchen genügten 0'00013 und 00008 Thle.derselben für 100 Thle. Wein.

Es tritt hier der gewiss merkwürdige Fall auf, dass derselbe Kör-per, die schweflige Säure, welche den rothen Farbstoff zerstört, auchdazu dienen kann, dem Rothwein seine rothe Farbe zu erhalten.

5. Schwarzwerden des Weines.

Es kommt hier und da vor, dass Wein, sowohl rother als weisser,an der Luft trüb und schwarz wird. Es bildet sich dann nach längererZeit ein schwarzer Niederschlag, der Wein wird wieder hell, der rotheverliert dabei aber alle oder doch einen erheblichen Theil der ursprüng-lichen Farbe. Dieses Schwarzwerden des Weines schreibt man schonlange dem Gehalt des letzteren an Eisen zu. Das Eisen ist zunächstim Weine als Oxydul vorhanden (bei meinen früheren Untersuchungenfand ich in 60 verschiedenen Weinen nur Oxydul*), da nun das Eisen-oxyd, nicht aber das Oxydul, mit dem Gerbstoffe eine schwarze unlöslicheVerbindung giebt, so kann man leicht annehmen, dass der Wein da-durch schwarz wird, dass das Eisenoxydul an der Luft in Oxyd über-geht und dieses mit dem Gerbstoff die bekannte schwarze Verbindungbildet.

Dass dieses Schwarzwerden des Weines von gerbsaurem Eisenoxydherrührt, kann nach Aussehen und chemischem Verhalten des Nieder-schlags nicht bezweifelt werden. Indess wirken noch verschiedene Um-stände mit, welche verursachen, dass ein Wein von gleichem Gehalt anEisen und an Gerbstoff schwarz werden kann oder auch nicht. DerGehalt an Wein-, Aepfel-, Essig- und anderen Säuren ist im Wein sehrverschieden. Da nun bei gleichem Gehalt an Säure das Entstehen jenesschwarzen Niederschlages durch die Weinsäure 1 2 ) am meisten, durch dieEssigsäure weitaus am wenigsten verhindert wird, so ist es klar, dassbei verhältnissmässig hohem Gehalt an Weinsäure oder Apfelsäure dasEntstehen des Niederschlages eben durch diese Säure verhindert werdenkann. Wird durch Zusatz von Kali oder Kalk oder durch chemischeZersetzung ein Theil der Wein- oder Aepfelsäure entfernt, so kann jetztein Wein schwarz werden, der früher diese Eigenschaft nicht besass.

Wird der Gerbstoffgehalt erhöht, z. B. dadurch, dass das Fass nochsolchen an den Wein abgiebt, so kann ebenfalls die Krankheit erstnach-

1 ) Kessler, Der Wein, seine Bestandtheile u. s. w. 109. 2 ) Kessler,

Behandlung d. Weines. 2. Aufl., 140.