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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

hole mit Salpetersäure, zum Theil unter Zusatz von desoxyehrendenMitteln wie Kupfer oder Stärke, gewonnen und hauptsächlich wohl zumedicinischen Zwecken verwendet. Das Methylnitrat war eine Zeit-lang zur Darstellung des Methylgrüns in Gebrauch, ist jedoch wegenseiner stark explosiven Eigenschaften ziemlich wieder verlassen worden.Endlich gehören hierher noch das äthylschwefelsaure Kalium und Na-trium, welche, wie die Nitrite, wohl hauptsächlich nur therapeutischin Anwendung kommen. Ihre Bereitung wird auch im Grossen aufdie bekannte Weise durch Sättigen der Aetherschwefelsäure mit kohlen-saurem Kalk und Zersetzen des Kalksalzes mit dem entsprechendenCarbonat oder Sulfat vorgenommen.

Die übrigen, äusserst zahlreichen Derivate der Alkohole, einschliess-lich der Abkömmlinge der aromatischen Kohlenwasserstoffe, dienen nurwissenschaftlichen Zwecken. Die Eingangs genannte Fabrik, welcheauf der Ausstellung durch eine Collection einiger der interessantestendieser Körper vertreten war, stellt eine grosse Anzahl derselben lau-fend dar. Der Verbrauch dieser Präparate in den vielen wissenschaft-lichen Instituten der Jetztzeit ist ein ziemlich bedeutender gewordenund wird in den nächsten Decennien voraussichtlich noch zunehmen,da es bei der schnellen Aufeinanderfolge der Publieationen und demrastlosen Fleisse der Forscher von Belang ist, die Ausgangskörper zuneuen Arbeiten sich möglichst bald zu verschaffen und nicht mehr sel-ber auf die mühsame und zeitraubende Darstellung derselben angewie-sen zu sein. Das moderne Princip der Arbeitsteilung überlässt demFabrikanten die Herstellung der bereits erforschten Verbindungen undweist den Theoretiker immer mehr ausschliesslich auf das weitere Vor-dringen in unbekannte Gebiete hin. Da nun gerade die Alkohole nebenden aromatischen Kohlenwasserstoffen das ausgiebigste .Material zurErlangung der meisten in den Laboratorien erforderlichen Verbindun-gen liefern, so lässt sich kaum eine bessere Combination denken, alswenn die Erzeugung dieser feineren chemischen Präparate zugleich mitder_in diesem Aufsatz geschilderten Fabrikation verbunden ist, nichtnur, weil auf diese Weise die in der Grossindustrie nur spärlich be-nutzten Nebenproducte der Spiritusfabrikation möglichst verwerthetwerden, sondern auch besonders desshalb, weil man ein so reichhaltigesAusgangsmaterial zur Verfügung hat, wie es sich sonst selten beschaf-fen lässt. Noch mehr aber fällt ins Gewicht, dass die Trennung diesermeist in complicirten Gemischen vorkommenden Körper im Laborato-rium mit solcher Vollkommenheit unmöglich auszuführen ist, denn nurbeim Arbeiten mit sehr grossen Mengen kann eine Scheidung auf me-chanischem Wege genügend reine Körper hervorbringen. Man gehtwohl kaum zu weit, wenn man behauptet, dass eine einmalige Destil-lation mit einer zweckmässigen Colonne mehr leistet, als ein zwanzig-mal wiederholtes Fractioniren.