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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
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Spiritusfabrikation. 267

durch Handarbeit mit Krücken umgerührt und durch Luftzutritt ab-gekühlt wurde. Als sodann nach Einführung des Verfahrens der Dick-maischung schwerer zu kühlende Maischen resultirten, construirte mandas Kühlschiff aus Metall und gab demselben eine kreisförmige Form,um die Anwendung eines rotirenden, mechanischen Rührwerkes zu er-möglichen. Anfangs verwendete man als Metall vornehmlich Kupfer,neuerdings fast ausschliesslich das billigere Eisen. Um der Maischegrössere Mengen kühlende Luft zuzuführen verbindet man das Rühr-werk mit Windflügeln oder bläst einen starken Luftstrom durch Ven-tilatoren über die Oberfläche der Maische.

Weniger Eingang haben die Kühlvorrichtungen von 0. Siemens(Hohenheim) und L. Siemens gefunden. Der Kühlapparat von C.Sie-mens besteht aus einem kastenartigen, übrigens sehr compendiösenGefässe aus Eisenblech, in welchem die Maische auf geneigten Ebenenherabfliesst und durch einen ihr entgegenkommenden Luftstrom, wel-chem man im Sommer durch Eis eine niedrige Temperatur geben kann,abgekühlt wird.

Sehr sinnreich verdient der Apparat von L. Siemens genannt zuwerden. Derselbe, unter dem Namen Exhaustor bekannt, besteht auseiner Säule, welche aus mehreren übereinanderstehenden Abtheilungengebildet wird. Die Maische fliesst in die oberste Abtheilung der Säuleund fällt zunächst auf eine in dieser Abtheilung befindliche Scheibe,welche mit einer Geschwindigkeit von 600 bis 800 Umdrehungen inder Minute rotirt und hierdurch die Maische, verstäubt, an die Wandder Abtheilung schleudert. Dort sammelt sich dieselbe und fliesst durcheine trichterartige Verengung in die zweite genau ebenso construirteAbtheilung, wo sie wiederum auf eine Scheibe fällt, wieder zerstäubtwird und so successive die Abtheilungen des säulenförmigen Apparatesdurchfliesst. Während die Maische so in feinster Vertheilung den Ap-parat hinabsteigt, wird ihr durch einen im oberen Theile des Apparatesangebrachten Exhaustor ein kräftiger Luftstrom entgegengesogen. DieUrtbeile über die Wirksamkeit des Sie menssehen Exhaustors lautensehr verschieden und häufig nicht gerade günstig für denselbendenn es wird einerseits angegeben, dass es im Sommer nicht möglichsei, eine ausreichende Kühlung zu erreichen und man häufig gezwungensei, Maischen mit 25 bis 28° C. anzustellen, einer Temperatur, welcheeine vollkommene Vergährung schon wesentlich beeinträchtige undandererseits wird an dem Exhaustor getadelt, dass derselbe die Maischein eine schaumige Masse verwandele, welche in den Gährböttichenhöchst unangenehm sei und ein vollständiges Anfüllen derselben un-möglich mache, ob es endlich rationell ist, die Maische mit so gros-sen Luftmengen in Berührung zu bringen, mag gleichfalls dahingestelltbleiben.