Spiritusfabrikation. 265
Alkoholgewinnung aus Flechten. Von Stenberg 1 ) istfür Schweden die Darstellung von Alkohol aus „Rennthiermoos“empfohlen, welche für die dortigen armen Gegenden als ein willkom-mener Industriezweig begrüsst wird.
Das Rennthiermoos enthält ausser ziemlich bedeutenden Mengenvon Stärke (Moosstärke—Lichenin) eine Cellulose (Amylocellulose), welchedurch Kochen mit verdünnten Säuren leicht in Zucker übergeführtwerden kann. Nach einer Analyse von A. Müller enthielt z. B. einRennthiermoos 72’1 p. C. Kohlehydrate, welche durch Kochen mit ver-dünnten Säuren leicht in gährungsfähigen Zucker überzuführen waren.Stenberg benutzt zur Invertirung eine Salzsäure von 1‘165 Volum-gewicht und wendet auf 10 Thle. Moos 1 Thl. Salzsäure an. Nach derInvertirung wird die freie Säure durch kohlensaures Calcium neutra-lisirt und die Zuckerlösung, welche allerdings keine höhere Concentra-tion als 5° Saccharometer haben darf, mit Hefe angestellt. Von der er-haltenen Zuckerlösung sollen 70 bis 80 p. C. in Alkohol übergeführtwerden. Die Schlampe soll als Futtermittel, besonders, wenn zum Neu-tralismen der Salzsäure kohlensaures Natrium anstatt des kohlensaurenCalciums verwendet wird, sehr geschätzt sein.
Endlich sind sogar Steinkohlen zur Spiritusgewinnung mittelstdes durch Destillation entstehenden Aethylengases (C 2 H. t ) empfohlen.Dasselbe bildet allerdings, wenn man dasselbe in Schwefelsäure leitetund die entstandene Verbindung mit Wasser zersetzt, Alkohol; aberdie aus den Steinkohlen zu gewinnende Aethylengasmenge ist zu ge-ring, um ein solches Verfahren lohnend erscheinen zu lassen. Vorläufigbraucht daher die Landwirthschaft vor dieser Concurrenz keine Be-sorgniss zu haben.
Fortschritte der einzelnen Processe derSpiritusfabrikation.
I. Maischung.
Durch die Maischraumsteuer in Preussen und den meistendeutschen Staaten hat das Verfahren der Maischung das Bestreben ver-folgen müssen, in einem gegebenen Gährraum möglichst viel Alkoholzu erzeugen, ohne dabei eine stattfindende Materialverschwendung ver-meiden zu können. Man hat daher das Verfahren der „Dickmaischung“eingeführt, nach welchem man auf 100 1 Maischraum 75 bis 80 KgKartoffeln und darüber verwendet, während nach dem älteren Verfah-
b Stenberg, Journ. f. prakt. Cliem. CVI, 416.