264
Gruppe III. Chemische Industrie.
über die erhaltenen Alkoholerträge sind jedoch sehr widersprechend.Balling will nur 5, Payen aber 9 p.C. Alkohol aus Topinambur-maischen erhalten haben. Wahrscheinlich sind diese Differenzen wohlin der Verschiedenheit des Materials begründet.
Mohrrüben (namentlich die Riesenmöhre), ferner der Saftvon Zuckerhirse (Sorghum saccharatum ) und von Mais sind kaum sozuckerhaltig, dass die Verarbeitung derselben lohnte, ausserdem sollder resultirende Spiritus einen sehr unangenehmen Geschmack besitzen.
Als Curiosum mag noch erwähnt werden, dass die Beeren desErdbeerbaumes (Arbutus Unedo) in Italien, ferner Haferstroh(nach dem Kochen mit Schwefelsäure) und endlich Aepfelmark(Rückstand von der Ciderbereitung) zur Alkoholgewinnung empfohlenwerden.
Versuchsweise sind auch Kastanien (Aesculus hippoca-stanum )zur Alkoholbereitung herangezogen worden; 100 Kg Kastanien gabenhierbei nach dem Kochen mit Schwefelsäure den nicht unbeträchtlichenErtrag von 633 Literprocent Alkohol.
Die Alkoholgewinnung aus Holz ist bereits 1854 von Ar-nould, TribouilletMnd Melsens vorgeschlagen worden, indem dieCellulose des Holzes durch Kochen mit Schwefelsäure in Zuckerübergeführt und der entstandene Zucker nach dem Neutralismen mitSchwefelsäure mittelst Kalkmilch durch Hefezusatz vergohren werdensoll. Dieses Verfahren hat jedoch wenig Aussicht auf Erfolg, da dieUeberführung der Holzfaser in Zucker selbst unter Anwendung vongeschlossenen Gefässen sich sehr schwierig vollzieht und lange Zeit inAnspruch nimmt, daher sehr theuer zu stehen kommt. Mehr Aussichtauf Erfolg hat vielleicht ein von Payen 1867 begutachtetes Verfahren,nach welchem der Zucker aus der Holzfaser nur als Nebenproductbeim Digeriren von Holz mit Salzsäure, um eine Papiermasse zugewinnen, erhalten werden soll. Die Salzsäure soll hierauf mittelstKalkmilch neutralisirt werden; das entstehende Chlorcalcium soll derGährung nicht schaden. Wenn es sich bestätigt, dass bei dieser Dar-stellung der Papiermasse auf 100 Thle. Holz 20 bis 21 Thle. Zuckergewonnen werden, so wäre allerdings das Verfahren beachtenswerth.
Spiritus aus Abfällen der Färberei mit Krapp wird zuweilengewonnen (dem Referenten ist ein solches Etablissement in der Nähevon Castellamare bei Neapel bekannt). Die Färberlaugen werden beimässiger Temperatur sich selbst überlassen und es soll die Alkohol-bildung ohne Mitwirkung eines organisirten Wesens durch dasin dem Krapp enthaltene Ferment (Erythrozym) vor sich gehen. DerKrappspiritus ist von so üblem Gerüche, dass er als Genussmittel nichtzu verwenden ist.