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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

damit den bisherigen Brennereien eine schwer zu besiegende Concur-renz erwachsen würde, mag dahingestellt bleiben. In Frankreich solldas Verfahren der Rübenbrennerei verbreiteter sein und sehr pro-speriren.

Der Ausbildung des Verfahrens der Rübenbrennerei haben sichin Deutschland L. Siemens (Hohenheim), in Frankreich Champon-nois mit Vorliebe und grossem Geschick gewidmet.

Nach Siemens werden die gewaschenen Rüben durch eine hori-zontal liegende Scheibe mit glatten Messern in schmale Scheiben zer-schnitten. Diese Scheiben unterwirft nun Siemens (Unterschied vondem Champonnoisschen Verfahren) einem Abwelkungsprocesse,bevor die eigentliche Extraction erfolgt. Die Rühen werden hierzu inNetze von Bindfaden gebracht und in einer flachen runden Abwelk-pfanne unter Zusatz von Schwefelsäure auf 85° 0. erwärmt. DieSchnitzel verlieren hierbei alle Elasticität und lassen sich mit Wasserleicht extrahiren. Das Erhitzen in den Abwelkpfannen erfolgt ent-weder durch directes Feuer oder durch eine geschlossene Dampfschlange;Einleiten von Dampf ist unthunlich, da der Rübensaft ohnehin ver-dünnt genug wird. Die Rübenschnitzel, welche in den Bindfadennetzenverbleiben, werden sodann in die eigentlichen Extractionsgefässe ge-bracht und wandern hier von Gefäss zu Gefäss bis zur Extraction desZuckers. Die Gährung des Rübensaftes wird durch Ueberfüllen einesTheiles des Inhaltes der gährenden Bottiche in die frisch angestelltencontinuirlich fortgepflanzt. Siemens will auf diese Weise einen Al-koholertrag bis 5 p. C. erhalten können.

Die Champonnoissche Extraction unterscheidet sich von demSiemensschen Verfahren dadurch, dass zur Extraction heisse Schlämpeverwendet wird, welche in Bottichen mit Siebböden eine Stunde mitden mit Schwefelsäure besprengten Rübenschnitzeln in Berührung bleibtund nach dieser Zeit durch ein Uebersteigrohr in einen neuen Bottichmit frischen Schnitzeln transportirt wird u. s. w. Es geschieht alsohier das Extrahiren durch Verdrängen in einer Batterie, nicht dadurch,dass die Schnitzel selbst, wie bei dem Siemensschen Verfahren, vonExtractionsgefäss zu Extractionsgefäss wandern.

Der Futterwerth der Rübenschnitzel des Brennereiverfahrens stelltsich demjenigen der Schnitzel des Diffusionsverfahrens bei der'Zucker-fabrikation ungefähr gleich.

Spiritusgewinnung aus Melasse. Seit dem Aufblühen derZuckerfabrikation hat die Verwerthung der 40 bis 50 p. C. gährungs-fähige Stoffe enthaltenden Melasse immer mehr Eingang gefunden.Allerdings ist der aus der Melasse resultirende Spiritus mit einem pe-netranten Gerüche und Geschmacke behaftet, und aus diesem Grundenur zu einem niedrigeren Preise zu verwerthen wie der Kartoffel-