Spiritusfabrikation. 251
Interesse, welches sich, durch die Einführung der genannten Apparatehervorgerufen, in den letzten Jahren in der Spiritusfabrikation zeigt,alle Anerkennung. Es mögen daher hier die Apparate von II olle -freund, Bohm und Henze eine ausführlichere Behandlung erfahren,als die übrigen Apparate der Spiritusfabrikation.
Der Hollefreund’sche Apparat besteht aus einem liegenden eylin-drischen Gefäss von dampfkesselähnlichem Ansehen und muss für einenGährraum von 4000 Litern einen Inhalt von ca. 6000 Litern bei einerHöhe von 1'6 m und einer Länge von 3 m besitzen.
Durch ein „Mannloch“, welches zum Zwecke der Reinigungdes Apparates bestiegen werden kann, werden die Kartoffeln — aufobigen Maischraum ca. 50 bis 60 Centner — in den Apparat gefülltund nach dem Verschliessen derOeffnung durch directen Dampf, welcherdurch eine Reihe von Yentilen an der tiefsten Stelle des Apparatesgehörig vertheilt wird, erhitzt, bis die Temperatur in dem Apparat auf137 bis 143 0 C. (2 bis 2 1 / 3 Atmosphären Spannung) gestiegen ist.Alsdann wird ein Rührwerk, welches aus spiralförmig um eine Wellestehenden Messern besteht, zunächst durch Handbetrieb „angedreht“,da dasselbe anfangs sehr schwer geht, darauf durch eine Riemscheibeund Transmission in schnelle Umdrehung versetzt und durch dasselbedie bei dem hohen Druck gedämpften Kartoffeln zerkleinert. NachBeendigung dieser Operation, welche ungefähr 20 Minuten in Anspruchnimmt, wird durch Oeffnen eines Ventils der Dampf abgeblasen unddamit ein Sinken der Temperatur auf ungefähr 106 0 C. bewirkt, eineTemperatur, welche aber noch die Wirksamkeit der in dem nun zuzu-setzenden Malz enthaltenen Diastase zerstören würde. Es ist dahereine künstliche Abkühlung, welche bei dem eine geraume Zeit erfor-dernden Quetschen der Kartoffeln nach dem alten Verfahren durch dieBerührung mit der Luft ohne äusseres Zuthun erfolgt, nothwendig.In dem Hollefreund’schen Apparate ist zu diesem Zwecke ein sehrsinnreiches Princip verwendet, nämlich das der Kälteerzeugungdurch Verdampfen. Sobald der Druck in dem Maischkessel dem-jenigen der Atmosphäre gleich ist, wird das Ventil wieder geschlossenund es wird eine mit dem Apparate in Verbindung stehende Luftpumpemit Condensator in Gang gesetzt, und hierdurch der Inhalt des Maisch-kessels zum Sieden und zum Verdampfen von Wasser gebracht — diezur Ueberführung des tropfbar flüssigen Wassers in Dampfform noth-wendige Wärme wird hierbei der Maische entzogen und letztere schnellabgekühlt — es macht keine Schwierigkeiten, durch eine einigermaassenkräftige Luftpumpe die Temperatur in 15 Minuten von 106° C. auf dieMaischtemperatur von 65° C. zu erniedrigen. Die in dem Holle-freund’schen Apparate nun vorhandene Luftverdünnung wird dazubenutzt, um das in einem eisernen Einteigegefässe mit Wasser ange-rührte gequetschte Malz in den Apparat einzusaugen und hierdurch