Druckschrift 
3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
Seite
250
Einzelbild herunterladen
 

250

Gruppe III. Chemische Industrie.

Muspratt-Stolimann’s technische Chemie, Schwarzwäller’sSpiritusfabrikation verwiesen werden. (Vergl. auch den weiter folgen-den Aufsatz über Bier von C. Lintner.)

Aus eigener Erfahrung kann Referent anführen, dass nach derAttenuation zwar nicht vollkommen wissenschaftlich genaue, aber fürdie Praxis ausreichende Zahlen erhalten werden.

Von sonstigen Methoden der Alkoholbestimmung mögen hierausserdem noch Erwähnung finden: das Destillationsverfahren;ein gewisses Volumen Maische (nicht unter bis 1 /% Liter) wird de-stillirt und der Alkoholgehalt des Destillats aus dem Volumgewichtbestimmt (entweder mit dem Piknometer, oder einer feinen Spindel,oder der Westphal-Mohr’sehen Wage).

Methode von Silbermann. Dieselbe beruht darauf, dass Al-kohol und Wasser sich beim Erwärmen verschieden ausdehnen, Alkoholvom Dichtigkeitsmaximum bis zum Siedepunkt Mal so stark wieWasser. Das S über man n’sche Instrument gleicht einem Dilatometer.

Geissler’s Vaporimeter basirt auf der verschiedenen Tension vonWasser- und Alkoholdämpfen.

Ebullioskopische Methoden. Dieselben beruhen auf der Eigen-schaft der Mischungen von Alkohol und Wasser, bei um so niedrigerenTemperaturen zu sieden, je höher der Alkoholgehalt ist.

Für die Verhältnisse der Praxis eignen sich nur die Attenuationund die Destillation zur Alkoholbestimmung, die übrigen Methodenerfordern eine sehr geübte Hand und genaue Instrumente.

Operationen der Spiritusfabrikation.

1. Verarbeitung von Kartoffeln.

An Stelle des seit langen Jahren üblichen Verfahrens, nach welchemdie Kartoffeln in einem Dampffass ohne Druck der Einwirkung derWasserdämpfe ausgesetzt, sodann zwischen Quetschwalzen zerkleinertund in einem Vormaischbottich durch Zusatz von Malz verzuckertwurden, ist in den letzten Jahren mit grossem Erfolge ein vollkommenneues Princip zur Darstellung der Maischen eingeführt worden — dasPrincip der Anwendung von gespannten Dämpfen. Das-selbe ist in drei verschiedenen Richtungen durch Hollefreund, Bohmund Henze ausgebildet worden.

Alle drei Verfahren streben eine Vereinfachung der Operationendes Brennereibetriebes, wie auch eine bessere Ausnutzung der Maisch-materialien an. Wenn auch durch dieselben das Höchste noch nichterreicht ist, so ist doch nicht zu leugnen, dass ihre Einführung alsein wesentlicher Fortschritt auf dem Gebiete der Spiritusfabrikation zuverzeichnen ist, und namentlich verdient das frische Streben und rege