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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

Körnern, sondern auch in denselben vor dem Keimungsprocess; vonWittich 1 ) konnte dasselbe durch Glycerin aus Gerstenmehl extrahiren.

Der Vorgang der Keimung hat daher die Aufgabe, Diastase zwarnicht zu erzeugen, wohl aber zu vermehren. Auf einem Irrthume be-ruht es wohl, wenn von Wittich bereits die Existenz der ganzenDiastasemenge im ungekeimten Samenkorn annimmt; wozu sonst derProcess der Malzbereitung?

Die Diastase lässt sich nach von Wittich durch Glycerin leichtaus den verschiedensten Materialien extrahiren, und zeigt somit, demGlycerin gegenüber, ein den thierischen Fermenten gleiches Verhalten.

Die ungeheuer grosse Verbreitung von diastatischen Fermentenhat Alex. Schmidt nachgewiesen, indem er selbst aus dem reinstenschwedischen Filtrirpapier ein diastatisches Ferment extrahiren konnte.

Der Chemismus des Verzuckerungsvorganges durch die Diastase istin mehr als einer Richtung noch unaufgeklärt zu nennen.

Im Anfang nahm man an, es werde die Stärke durch Diastasevollständig in Zucker übergeführt, und es finden sich sogar inHandbüchern der analytischen Chemie Angaben über quantitative Be-stimmung der Stärke durch Ueberführung in Zucker mittelst Diastase 2 ).

Allein bereits Musculus 3 ) führt an, dass sich die Umwandlungder Stärke niemals vollständig bewerkstelligen lasse. Aus drei Mole-eulen Stärkemehl entständen regelmässig zwei Molecule Dextrin undnur ein Molecul Zucker.

Hiergegen ist Payen aufgetreten und hat behauptet, es Hessensich grössere Mengen von Zucker, nicht 1 / i der angewandten Stärkeentsprechend, sondern 1 / 3 derselben erhalten. Auch Balling in seinemLehrbuche der Gährungschemie erhielt bei seinen Versuchen mehrZucker, selbst bis zu 2 / 3 der angewandten Stärke.

Jedenfalls ergeben alle diese Untersuchungen das gemeinsame Re-sultat, dass es niemals gelingt, die Stärke durch Diastasevollständig in Zucker überzuführen, sondern dass einewesentliche Menge nur in Dextrin verwandelt wird.

In neuerer Zeit sind Untersuchungen in dieser Richtung vonSchwarz er 4 * ) wieder aufgenommen und haben zu einer Bestätigungdes Payen’sehen Resultates, dass nämlich auf zwei Molecule Stärke-mehl ein Molecul Zucker und ein Molecul Dextrin entsteht, geführt.

Nur bei Temperaturen, welche über 70° C. lagen, bildete sichZucker und Dextrin in dem von Musculus angegebenen Verhaltnissvon 1 Zucker zu 2 Dextrin.

J ) von Wittich, Pflüger’s Archiv für Physiologie III, 1870, 347.

2 ) Diese Methode kann selbstverständlich niemals in der Praxis versucht

worden sein, da sie airf irrigen Voraussetzungen beruht. 8 ) Musculus,

Ann. chim. phys. 1860, LX, 203. 4 ) Schwarzer, Journ. f. pr. Chem. N. P.

Bd. I, 212.