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154 Gruppe III. Chemische Industrie.
der „blaue“ Theil aus derselben, z. B. durch Zersetzung mittelst Fäul-nissbefe (Stehenlassen der Lösung an der Luft), so fällt nun der an-dere heraus, während die Lösung klar bleibt, wenn man die Fäulnissausschliesst. Durch erneutes Kochen mit Wasser bildet sich aus der„gelben“ wieder eine gewisse Menge „blaue“ Modification, welche imStande ist, auch von der „gelben“ unverändert mit in Lösung zu neh-men. Wird die Substanz rasch aus der Lösung ausgeschieden, z. B.durch Gefrierenlassen oder durch Fällungsmittel (Alkohol, Gerbsäure etc.),so werden alle Modificationen gefällt. Man hat ein Gemenge wie inder ursprünglichen Stärke, welches sich entsprechend mit Jod nunblau färbt.
Die verschiedenen Stärkearten unterscheiden sich durch verschie-dene Mischungsverhältnisse der genannten Modificationen. Kartoffel-stärke enthält viel von der „blauen“ und noch mehr von der „gelben“,dagegen nur wenig von den Uebergangsstufen. Weizenstärke enthältweniger „gelbe“ und keine oder fast keine „blaue“ Substanz, dagegensehr viel „violette“ oder „rothviolette“. Durch Kochen mit Wasserentsteht jedoch auch hier die blaue Modification. Länger gekochterWeizenstärkekleister färbt sich rein blau, nicht wie das ursprünglicheStärkemehl violett.
Bei der Behandlung des Stärkemehls mit Säuren in der Kältebleibt, wie oben angegeben, der „gelbe“ Theil ungelöst zurück. Mansollte nun erwarten, dass daraus durch Kochen mit Wasser eine Stärke-losung, wie die eben beschriebene, erhalten werde. Dies ist aber, we-nigstens bei einer Dauer der Einwirkung, wie der Verfasser sie an-wendete, nicht der Fall. Die Substanz ist jetzt verändert. BeimKochen mit Wasser löst sich der grösste Theil davon auf. Diese Lö-sung färbt sich nun aber mit reinem Jod nicht blau, sondern violett,auf Zusatz von überschüssiger Jodlösung nicht grün, sondern roth.Während Stärkelösung durch Abdampfen oder Gefrieren Ausscheidun-gen giebt, welche durch Jod blau gefärbt werden, und welche nie Dop-pelbrechung, also mit dem Polarisationsmikroskop keine Farben zeigen,giebt unsere neue Lösung krystallinische Ausscheidungen, welche sichmit Jod nicht oder sehr schwach gelb färben.
Diese irystallisirbare Substanz ist das Amylodextrin. Sie zeigtenach Abzug der Asche (O'l p.C.) die Formel C 36 H 62 0 3 i. Die auf irgendwelche Weise ausgeschiedene Substanz färbt sich durch Jod nur schwachgelblich, in Lösung dagegen zuerst violett, nachher roth, woraus er-sichtlich ist, dass wir es auch hier mit zwei Modificationen zu thunhaben. Der Verfasser hat auch in der That zwei solche getrennt er-halten , und zwar durch partielles Fällen der mit Jod gefärbten Lö-sung durch essigsaures Natrium. Beide krystallisiren für sich wie dasGemisch; die Lösung der einen färbt sich violett, die der anderen roth.Die erstere hat zu Jod grössere Verwandtschaft, jedoch natürlich eine