Miniaturen und Initialen. 33
geben, soweit sie sich mit Weingartner Handschriften schon im einzelnenbeschäftigt hat.
Was zunächst die Handschriften mit Bildern Weingartner Buch-kunst anbelangt, so liegen hier erfreulicherweise schon fachmännischeUntersuchungen vor. A. llaseloff hat zuerst die in Betracht kommendenHandschriften behandelt und das Ergebnis seiner Forschung vorläufig ineinem Vortrag der Kunstgeschichtlichen Gesellschaft zu Berlin vorgelegt,Über den in dem vierten Sitzungsbericht dieser Gesellschaft vom Jahre 1905berichtet ist (zugleich abgedruckt in der Deutschen Literaturzeitung,Jahrgang 26, 1905, S. 1998 ff.). Einige Jahre später hat L. Dorez inemer sehr eingehenden Arbeit mit schönen photographischen AbbildungenWeingartner Handschriften, die sich in der Bibliothek des Lord Leicesterln Holkham Hall befinden und worunter das bedeutendste Erzeugnis«er Buchkunst des schwäbischen Klosters ist, besprochen und wieder-gegeben, i) Da das Werk von Dorez nur ganz wenige, wenn auch dieRichtigsten Stücke berücksichtigt, wäre es sehr zu bedauern, wennHaseloffs ursprünglicher Plan, die Weingartner Schule in einerbesonderen Veröffentlichung eingehender zu behandeln, nicht mehr zurAusführung käme.
Von Haseloff ist auch schon untersucht worden, was an fremdem-kinflufs auf die Malerschule von Weingarten eingewirkt hat. Wie zuerwarten, wird von ihm eine Einwirkung der Keichenau festgestellt,besonders in den Initialen, von welchen nachher noch die Bede seinsoll. Unmittelbare Vorlagen von Handschriftenbildern besal's das Klosterjj» den Miniaturen der Judithhandschriften (Schatzhandschrift I, 2 und 3),Erzeugnissen angelsächsischer und niederländischer 2 ) Schulen; für 1 und* v gl. Dorez, für 3 llaseloff. Weiterhin dürfte wohl nur noch eineHandschrift mit Bildern als Vorlage zu nennen sein, das turonischeEvangelienbuch A 21 mit einem Bild der Majestas Domini und Dar-stellungen der vier Evangelisten.
Das älteste Bild der Kunst unseres Klosters könnte man in der''omanischen Federzeichnung des gekreuzigten Christus in F 59 sehen;doch ist die Handschrift wohl älter als das Kloster. Mit grössererWahrscheinlichkeit dürfte man die frühesten Bilder in G 28 finden.■ Ul e Handschrift gehört jedenfalls zu dem alten Bestand der BibliothekUnd widerspricht in keiner Hinsicht der Annahme WeingartischenUrsprungs, für welche aufser der Schrift auch der Inhalt, das Lebender Schutzpatrone des Klosters, des hl. Martinus und Oswaldus, geltend-gemacht werden kann; auch finden wir das matt, fast schwarz gewordeneDeckgold auf grünlicher Unterlage, wie es die Initialen von G 28 mit*hrer noch ungeübten Technik zeigen, sonst ebenfalls bei WeingartnerHvitialen. Die Handschrift mit ihren Bildern wäre dann in der ersten
r. 1) Les manuscrits ä peintures de la bibliotheque de Lord Leicester ä«oikham Hall, Norfolk. Choix de miniatures et reliures publiö . . . par Leonu °rez. p ar i s 1908 _
2 ) Zugleich Bamberger Einflufs? Vgl Beissel, a. a. 0., S. '212.
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