Zur Geschichte der Handschriftensarnnilung. 9
die auf Goldgrund gemalten Bilder des Berthold-Missales (Schatz-handschrift 3) in der Bibliothek Lord Leicesters in Ilolkham Hall inNorfolk, seither von Leon Dorcz genauer besclirieben. i) Auf denKünstler dieses Missales führt Ilaseloff auch die Bilder von A 34zurück. Eine dritte durch Bilderschnmok ausgezeichnete Handschrift,die mit Abt Berthold in Verbindung steht und zugleich einen andernNamen aus dem Kloster, Udalricus, verewigt, ist das jetzt in Wienaufbewahrte Missale (Schatzhandschrift 5). Sie bietet uns zugleichmit dem Berthold-Missale Beispiele künstlerisch gearbeiteter Einbände.Nach Bertholds Zeit fliefsen die Nachrichten über die Bibliothekwieder spärlicher, mehr in Form von kleinen zerstreuten Notizen.Etwa in die Mitte des 13. Jahrhunderts führt die Erwähnung einesPridericns camerarros qui . . . hunc librum, breviarinm, ofticiale etlibruni benedictionalem de novo scribi fecit. 2 ) Die erstgenannteHandschrift ist G 12, worein ca. 1240 Nachträge eingefügt wurden;welche weiteren Handschriften sonst gemeint sind, läfst sich nichtmehr feststellen.
Erst ein Jahrhundert nach Abt Berthold, werden wieder von einemAbt, dem 18., Konrad von lbach (1315—1336), regere Beziehungenzur Bibliothek erwähnt; Konrad habe eine Reihe von Büchern mitbeträchtlichen Kosten schreiben lassen. 3 ) Hefs stellt dafür folgendeListe zusammen: 1. Biblia latina integra — A 5. 2. De (iuestionibuscasualibus L. IV. Joanhis ordiuis predicatorum magistri =± E 22.
3. Compendium Veritatis Theologice Fr. Johannis de Combis = E 27.
4. Epistole et Evangelia per annum = F 10. 5. Missalc de temporeet sanetis — F 11. 6. Missale de tempore = F 29*. 7. Ordomonasticus Mnrii Weing. = F 16. Auch diese Handschriften habenzum Teil wieder Miniaturen, doch sind sie nach Haseloffs Urteil alskünstlerische Leistungen ganz unbedeutend und nicht zu vergleichenmit den Schöpfungen aus Bertholds Zeit.
Aus der Zeit des nächsten Abtes, Conrads III. (1336—1346V),stammen die beiden Handschriften II 24 und I 10. ■')
Wieder fast 100 Jahre später, unter dem 23. Abt, Johannes Blarer(1418—1437), schreibt im Jahre 1433 P. Conrad Eberspcrg dieimitatio Christi I 59; eine andere Handschrift, II 12, wird vom Abteeinem Conrad Lullin in Sulgen überlassen. 5 ) Unter Blarer, der einerege Bautätigkeit entwickelte, erstand auch ein neuer Raum für dieBibliothek; in dem Berichte, in welchem der Abt Rechenschaft ab-legt über die Verwendung der Klostergelder, sagt er: Item ich handie Liberi gemachet summam nescio. 6 )
1) Leon Dorcz, Lcs mamiscrits ä peinturcs de la Bibliotheque de LordLeicester ä Ilolkham Hall, Paris 1908.
2) Monumenta Germaniae lnstorica. Necrologia I, p. 226.
3) Hefs, a.a.O., S. 94 u. 91!f.
4) Hefs, a.a.O., S. 139.
5) Hefs, a. a. 0., S. 159.
6) Hefs, a. a. 0., S. 161.