XI
katholischen Cultus nach Angaben der Kirchenväter auf diePraxis der aus Israel stammenden Apostel zurückzuführen ist 1 ).
Als der gottesdienstliche Brauch feststand, an Sabbaten undFeiertagen der Abgeschiedenen, in erster Reihe der geistigenFührer, der durch Liebeswerke besonders ausgezeichnetenGlaubensgenossen und der Märtyrer im Gebete zu gedenken,schrieb man mit den Formularen für das Seelengedächtnis,msm, mctW mDFl genannt 2 ), die Namen der Toten in besondereBücher ein. Diese gaben ausser dem allgemeinen Teile, der fastüberall denselben Charakter zeigte und in knappen Ausdrückendie Geistesgrössen und Wolilthäter, sowie deren Wirken für dieGesamtheit nannte, ein schlichtes Verzeichnis der Verewigtenjener religiösen Gemeinschaft, für welche die Aufzeichnungenbestimmt waren und welcher die neben den Namen eingetragenen,für das Seelenheil gewidmeten Spenden zu Gute kamen. Aus-führlichere Nekrologe, welche Wesen und Wirken der Verstorbe-nen schildern, fehlen in den % uns bekannten ältesten Gedenk-büchern gänzlich, sie gehören einer späteren Zeit an. Dahin-gegen ist überall der Namens- und Spendenliste ein Verzeichnisvon Ortschaften und Ländern beigegeben, in welchen Verfolgun-gen gewütet haben, und vielfach sind auch die Gelehrten ge-
’) S. u. a. Martigny, Dictionnaire des antiquites cliretiennes s.v. Diptycha;Kraus, Real-Encyklopädie der christlichen Alterthümer I, 364f.; Bautz, DasFegfeuer, S. 53f.; Leihbrand, Gebet ftir die Todten, S. 35—42; Gihr, Dasheilige Messopfer, S. (151; Thalhofer, Handbuch der katholischen Liturgik II,S. 239 f.
2 ) Die Beispiele hei Zunz, Nachtrag z. Litg. 4 und 5 (670 und 071) werdenaus den weiter unten zusammengestellten ältesten Gedenkbiichern und durch dieFormulare, S. 85, 86 des hebräischen Textes, ergänzt. Die Ausdrücke fiir dieverschiedenen Todesarten entsprechen der grauenhaften Wirklichkeit und werdennicht nur von Juden (Eleasar b. Juda in der Zionide ^>KtSTl ]P3, deutscherund polnischer Ritus: Il3p^ ni^ Bll 11EJ& 1111^ BJl pl311 Dil ^IpD^
'Ol “|013^, Joel halevi in pOO 1 , s. Zunz, Syn. Poesie, S. 17), sondern auch vonChristen (M G. SS. IX, 829 Ami. Mats.: „Indei fuerant cremati, cesi, secti etquomodolibet aliter trucidati et occisi“; Gesta Treviror. ed. Wyttenbach II,S. 263: ... alii suffocati, alii submersi, alii perforati .. .) bezeugt. Dass auchSeelengehete, ganz oder teilweise in der Umgangssprache abgefasst, benutztwurden, beweisen die beiden altfranzösischen Jiskor S. 86 und 87 und ein For-mular des niOKB 11131 110 aus dem Machsor Romi ed. Bologna rDlloi’ 'n HOPnpD’i pur omoB tpon nj) son o^ijjn ”r6 oiio oi odd n«
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Zweck undWesen derMemorbücher