Vorwort.
Kein Zweig der jüdischen Litteratur ist nachlässiger undoberflächlich er behandelt worden, als der für die Geschichte soüberaus wichtige der Meinorbücher. Denn man begnügte sich,abgesehen von einzelnen gewissenhaften Arbeiten, damit, dieTexte der alten Gedenkbücher ohne jede kritische Prüfung abzu-drucken, historische Notizen einseitig zu verwerten und die durchihre eigenartige hebräische Orthographie oft unkenntlichen geo-graphischen Namen zu erraten, statt wissenschaftlich zu identi-fizieren. Darauf beruht es, dass das für Bevölkerungsstatistik,Namenkunde, Gelehrten- und Familiengeschichte, Ritus undLiturgie, besonders aber für die Kenntnis geschichtlicher Vor-gänge sehr schätzenswerte Quellenmaterial bisher nicht so voll-ständig ausgebeutet worden ist, wie es im Interesse der Ge-schichtsforschung wünschenswert gewesen wäre.
In der vorliegenden Edition ist nun zum ersten Male ver-sucht worden, den wichtigsten Teil des ältesten und reichhaltigstenMemorbuches einer im Mittelalter sehr bedeutenden Gemeindewissenschaftlich zu bearbeiten. Der ursprüngliche Plan dieserArbeit, nur den correkten Text der Hds. und orientierende Indiceszu geben, ist, analog den übrigen Publikationen der historischenCommission für Geschichte der Juden in Deutschland, spätererweitert, eine treue deutsche Übersetzung mit sacligemässenErklärungen ist hinzugefügt, und beleuchtende Ergänzungen undExkurse sind den Texten beigegeben worden, sodass möglichstAlles geboten wird, was zur historischen Verwertung der Quelleerforderlich ist. In gewissem Sinne gilt für diese Thätigkeitdie Behauptung Stobbe’s (Die Juden in Deutschland währenddes Mittelalters, S. 181 ): „Es wäre eine schauerliche und un-dankbare Aufgabe, durch den Verlauf von Jahrhunderten die