222
II. Dämmerzustände.
handlung des Grundleidens in der Regel auch die Häufig-keit der psychischen Störungen zu vermindern oder dieselbengänzlich zum Verschwinden zu bringen. Bei weitem daswirksamste, wenn auch nur selten wirklich heilende Mittelist das Bromkalium in steigenden Dosen von 5—15 gr prodie, die man längere Zeit hindurch fortgeben muss, bis das-Auftreten der früher besprochenen Vergiftungserscheinungenzum Aussetzen des Medikamentes zwingt. Einmal sah ichjedoch bei dieser Therapie zwar die Krampfanfälle ver-schwinden, an ihrer Stelle aber höchst intensive Aufregungs-zustände sich entwickeln, die erst mit dem Aufgeben derBromkaliumkur wieder wichen.
Die hysterischen Dämmerzustände sind den epi-leptischen vielfach sehr ähnlich, zeigen indessen meist nichtdie Intensität der Affekte und damit auch nicht die rück-sichtslose Gewaltthätigkeit der Handlungen, wie jene. Manbeobachtet ängstliche Aufregungen mit schreckhaften Sinnes-täuschungen und Verfolgungsideen, Personenverkennungund Angriffen auf die Umgebung, phantastisch-deliriöseBewusstseinsstörungen vielfach religiösen Inhalts bis zurvölligen Verzückung, endlich läppisches, kindisches Wesenmit leichter Erregung und muthwilliger oder weinerlicheigensinniger Stimmung. Gewöhnlich werden diese Stö-rungen, die höchstens einige Tage anzudauern pflegen, voneinzelnen oder mehreren Krampfanfällen begleitet. Die Er-innerung ist selten ganz erloschen, meist wenigstens sum-marisch vorhanden, hie und da auch ziemlich vollständigerhalten. Auch hier ist die Behandlung des einzelnen An-falles eine wesentlich exspektative; den eigentlichen Angriffs-punkt bildet die hysterische Neurose seihst.
C. Stupor und Ekstase.
In dem epileptischen Stupor haben wir bereits eineklinische Form der Dämmerzustände aufzuführen Gelegen-heit gehabt, die auch sonst als selbständiges Krankheitsbildnicht selten zur Entwicklung gelangt. Man bezeichnet alsStupor einen psychopathischen Zustand, in welchem die