Epileptische und hysterische Dämmerzustände. 210
Erregungszustände zu gedenken, die im Anschlüsse auepileptische Krämpfe beobachtet werden. Auch hier istzwar das Bewusstsein in ziemlich hohem Grade getrübt,aber der Kranke befindet sich in einer vorwiegend heiteren,verwirrten Aufregung, in der es nicht zur Bildung voneigentlichen Wahnideen kommt. So sah ich bei einem7jährigen Knaben in Folge einer Misshandlung (Schlagauf den Kopf; Erbrechen) leichte epileptische Anfälle auf-treten, an welche sich regelmässig ein Dämmerzustand mitlautem Singen, Nachalimen von Thierstimmen, sehr aus-gelassenem muthwilligem Wesen von der Dauer einigerMinuten anschloss, der durch einen weiteren Anfall plötz-lich abgebrochen wurde. Der Knabe erwachte aus dem-selben still und scheu ohne Erinnerung an das Vorgefallene.Diese anfangs selbst 12—14 Mal täglich beobachteten Be-wusstseinsstörungen verloren sich später gänzlich, währenddie Krampfanfälle fortbestanden. Aehnlich verhielt sichein 12jähriges Mädchen mit postepileptischen, bis zu meh-reren Stunden dauernden Dämmerzuständen, in denen sieein ihr sonst fremdes, äusserst muthwilliges, albernes, oftstörrisches Benehmen mit Verkennung der Umgebung dar-bot. Auch hier pflegte ein Krampfanfall die Störung ab-zuscliliessen; im weiteren Verlaufe verschwanden die Dämmer-zustände.
Das postepileptische Irresein tritt am häufigsten imGefolge von schweren Krampfanfällen, namentlich vonSerien derselben, auf. Gewöhnlich schliesst es sich unmittel-bar an dieselben an; bisweilen scheint es erst nach einigenTagen zur vollen Entwicklung zu gelangen. Die psychisch-epileptischen Anfälle scheinen sich dagegen vorzugsweisemit den leichteren Krampfformen zu vergesellschaften.Die Dauer aller dieser Zustände ist in der Regel einekurze; sie beträgt oft nur einige Minuten oder Stunden,seltener Tage, Wochen oder selbst Monate, letzteres beson-ders bei den Fällen mit geringerer Bewusstseinstrübung.Die Lösung des Zustandes vollzieht sich bisweilen, wie inden beiden oben erwähnten Beobachtungen, durch einenKrampfanfall, einen tiefen Schlaf, aus dem der Kranke mitklarem Bewusstsein erwacht, oder aber ganz allmählich