210
II. Dämmerzustände.
glänzenden Gegenstandes, leises Streichen des Gesichtes,Ticken einer Taschenuhr) neben vielen andern, einstweilender Nervenpathologie ungehörigen Erscheinungen eine eigen-thümliclie Alteration des Bewusstseins herbeizuführen, diesich hauptsächlich durch die Ausschaltung jenes Einflussesauszeichnet, welche die Ueberlegung und Willkür des Indi-viduums auf die apperceptiven Vorgänge und die äusserenWillenshandlungen ausübt. Die Aufmerksamkeit bewegt sichnicht mehr frei und selbständig nach inneren Motiven voneinem Objekte zum andern, sondern sie wird in ihrer Richtungvollständig durch die Stärke der äusseren Eindrücke be-stimmt, so dass ein geschickter Experimentator die successiveWahrnehmung der Ausseuwelt ganz nach seinem Beliebenzu dirigiren vermag. Dabei ist, vielleicht gerade wegendes Ausfalls der höheren psychischen Funktionen, die Leb-haftigkeit der Phantasiebilder derartig gesteigert, dass die-selben, wie sie durch äussere Einwirkungen (zugerufeneWorte) in das Bewusstsein gehoben werden, für das Indi-viduum vollkommen sinnliche Deutlichkeit gewinnen. Ja,die durch das Phantasiebild einseitig fixirte Aufmerksam-keit ist sogar nicht im Stande, die gleichzeitig stattfinden-den widersprechenden Sinneseindrücke aufzufassen und zurBerichtigung der Trugwahrnehmung zu verwerthen. Eshandelt sich demnach hier um den früher besprochenenVorgang einer App er ceptionsillusion.
Der Verlauf der Vorstellungen ist ebenfalls demEinflüsse der nach bestimmten Gesichtspunkten auswählen-den psychischen Persönlichkeit entzogen. Nach ihren asso-ciativen Beziehungen folgen die einzelnen Erinnerungsbilderaufeinander, wenn sie nicht durch Einflüsterungen und ähnlicheEinwirkungen von aussen her in diese oder jene Richtunggezwungen werden. In diesem Zustande ist es in derThat möglich, worüber sich so viele Verrückte auf Grundvon Wahnideen bitter zu beklagen pflegen, Jemandem dieGedanken „zu machen“, da der Vorstellungsverlauf ohneinnere Direktive sich in vollster Abhängigkeit von zu-fälligen äusseren Einflüssen befindet. Ganz ähnlich verhältes sieh mit den Willenshandlungen. Jene Fähigkeit derpsychischen Hemmung, vermöge deren wir im Stande sind,