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Compendium der Psychiatrie : zum Gebrauche für Studirende und Aerzte
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Melancholie mit Wahnideen.

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rung der Kritik hin, die sonst sofort korrigirend einzu-greifen beginnt, sobald ihre Tliätigkeit nicht mehr durchdie krankhaften Gefühle beeinträchtigt wird. Unter solchenUmständen können zwar die Wahnideen immer noch all-mählich mit fortschreitender Beruhigung in den Hinter-grund treten, aber nur weil sie keine Nahrung mehr finden,nicht weil sie von dem wiederhergestellten gesunden Selbst-bewusstsein unterdrückt werden. Es kommt nicht zu einerganz klaren und befriedigenden Krankbeitseinsicht, sondernes bleibt dauernd eine gewisse Schwäche des Urtheilszurück, die allerdings vielleicht nur von der nächsten Um-gebung des Kranken bemerkt wird und ihn oft nichtan der Rückkehr in den gewohnten Beschäftigungskreishindert.

Endlich, bei noch tiefer greifender Störung oder schonvorher bestehender Schwäche der Intelligenz, können diewährend der Krankheit entstandenen Wahnideen sich mitdem Schwinden der Verstimmung fixiren. Der Krankeerlangt nur sehr unvollkommen die Herrschaft über denSchatz seiner früheren Erfahrungen wieder, weil er selberein Anderer geworden ist, und er vermag wegen derHerabsetzung seiner psychischen Leistungsfähigkeit auchnicht, das verloren Gegangene durch neue intellektuelleArbeit- zu ersetzen. So kommt es zu seiner geistigenVerarmung, die zunächst noch durch das immer wiederreproducirte Wahnsystem verdeckt wird, mit dem all-mählich sich vollziehenden Zerfalle desselben aber immerdeutlicher zu Tage tritt. Diesen unheilbaren Schwächezu-stand, der einer völligen Verblödung entgegenführt, be-zeichnet man als sekundäre Verrücktheit.

Der Verlauf der Melancholie mit Wahnideen istwegen der grösseren Schwere der Erkrankung regelmässigein sehr pi'otraliirter, vielfach schwankender, die Dauerselten weniger als ein Jahr. Die einzelnen Symptome zeigenmeist eine grosse Hartnäckigkeit, so namentlich die durchdie Wahnideen sehr verschiedenartig motivirte Nahrungs-verweigerung und die Selbstmordneigung. Die Behand-lung ist im Wesentlichen ebenfalls nach den oben aufge-führten Grundsätzen zu leiten. Eine dialektische Bekämpfung