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Compendium der Psychiatrie : zum Gebrauche für Studirende und Aerzte
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Unvollständige Heilung.

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Das eigentlich Auffallende ist dabei mehr die letztereals die erstere Erscheinung. Die krankhafte Ausgiebigkeitder psychopathischen Reaktion auf geringfügige Reize lässtwegen der anscheinenden Bedenklichkeit der Symptome dieSchwere der ganzen Erkrankung weit bedeutender erschei-nen, als sie wirklich ist. Würde es doch auch verfehlt sein,etwa aus dem Herzklopfen eines Herzkranken auf einengleichen Grad psychischer Erregung scliliessen zu wollen, wiewir sie unter denselben Verhältnissen beim Gesunden voraus-zusetzen hätten! Wir würden dann erstaunt sein, dort sorasch völlige Beruhigung konstatiren zu können, wo wirglaubten, es mit einem tiefen, dauernden Affekte zu tliunzu haben. Aber wie in diesem Beispiele der leiseste An-stoss genügt, das Symptom der Krankheit sogleich in vollerIntensität hervorzurufen, wie es schliesslich vielleicht durchdie blosse Lebensarbeit dauernd fortbesteht, und wie daseigentliche Leiden andererseits lange Zeit bestehen kann,ohne gerade lebhafte Störungen zu verursachen, so habenwir es auch bei den psychischen Invaliden mit einer Ver-minderung der Widerstandsfähigkeit zu thun, die am Endeauch ohne irgend welchen besonderen Reizanstoss zur Ent-wicklung abnormer Geisteszustände fuhren kann, die einekrankhafte Veränderung der ganzen Persönlichkeit bedeutet,auch wenn sie nicht gerade zur Ausbildung einer eklatan-ten Psychose Veranlassung giebt. Die Heilung der vorüber-gehenden Störungen ist daher etwa mit der Beseitigungeines Anfalles von Palpitationen bei einem Herzkranken inParallele zu stellen; das eigentliche Grundleiden bestehtdabei unverändert fort.

Die vorstehenden Erörterungen haben uns bereits einenweiteren Ausgang psychischer Krankheiten kennen gelehrt,den Ausgang in unvollständige Heilung,Besserung oderHeilung mit Defekt. Die pathologischen Symptometreten auch hier im Wesentlichen zurück, die Stimmungwird ruhiger und gleichmässiger, Wahnideen und Sinnes-täuschungen verschwinden nach und nach, aber es machensich die mehr oder weniger ausgeprägten Anzeichen einerHerabsetzung der psychischen Leistungs- und Widerstands-fähigkeit, der Schwäche, bemerkbar. Der Rekonvalescent