Qualit. Störunsen d. Handelns; krankhafte Triebe. 127
Kranken durch die volle Einsicht in die Tragweite der-selben und die bitterste Reue über das Geschehene ver-drängt wird.
Krankhafte Triebe. Während hier die Zwangshandlungmehr als einzelne Episode im Verlaufe einer psychischenErkrankung auftritt, können andererseits krankhafte Triebedas Willensleben des Individuums dauernd, ja für das ganzeLeben beherrschen, sei es, dass sie angeboren, sei es, dasssie erworben sind. In die erstere Gruppe gehört nament-lich die konträre Sexualempfindung, die das ge-schlechtliche Fühlen und Begehren in unversöhnbaren Gegen-satz zu der körperlichen Organisation des Kranken bringtund ihn die sexuelle Befriedigung beim eigenen Geschlechteaufzusuchen treibt. Dieselbe macht sich regelmässig schonin früher Jugend geltend und wird nur selten auch alsvorübergehendes Symptom während anderer psychischerKrankheiten beobachtet. Auch andere Perversitäten desGeschlechtstriebes, welche in der Wollust beim Miss-handeln, Ermorden und Zerstückeln der sexuellen Opfer(Lustmord), beim Saugen von Blut und beim Genüsse vonMenschenfleisch, in der geschlechtlichen Befriedigung mitThieren und der Leichenschändung glücklicher Weise sehrvereinzelt hervortreten, sind höchst wahrscheinlich auf eineursprüngliche degenerative Veranlagung zurückzuführen.
Ferner werden bei Individuen, die ebenfalls regelmässiganderweitige Zeichen psychischer Entartung, namentlich Ano-malien im Gefühlsleben erkennen lassen, bisweilen gewissekrankhafte Antriebe beobachtet, die man früher als eigeneKrankheitsspezies, als „Monomanien“ (Esquirol) auf-zufassen pflegte. Sie sind indessen nur Theilerscheinungeneiner pathologischen Ausbildung der gesammten psychischenPersönlichkeit. Am bekanntesten ist der „Stehltrieb“ (dieKleptomanie) geworden, eine besonders beim weiblichen Ge-schlechte vorkommende Neigung, sich ohne Noth selbst ganzunnütze, werthlose Dinge durch Diebstahl anzueignen, diezudem meist nachher dem Eigenthümer wieder zugestelltwerden. Analog hat man auch einen Mordtrieb', einenBrandstiftungstrieb (Pyromanie), einen Wollnsttrieb (Aedoio-manie) u. s. f. unterschieden. Gemeinsam ist allen diesen